Mittelstand NEU DENKEN mit Nadine Kammerlander

Shownotes

NEU DENKEN jetzt mit einer Spende unterstützen: https://www.mission-wertvoll.org/neu-denken-unterstuetzen/ Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Familienunternehmen und sogenannte Hidden Champions stehen für langfristiges Denken, Innovation und Verantwortung. Gleichzeitig geraten viele dieser Unternehmen zunehmend unter Druck.

Gemeinsam mit Nadine Kammerlander sprechen wir darüber, wie sich der Mittelstand in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und Transformation neu aufstellen kann. Was bedeutet Erneuerung, ohne die eigenen Stärken zu verlieren? Und welche Rolle können mittelständische Unternehmen in einer sich wandelnden Wirtschaft spielen?

NEU DENKEN ist ein Video- und Audiopodcast, der unseren gesellschaftlichen Diskurs neu aufrollt – respektvoll und lösungsorientiert. Statt der nächsten Aufregung hinterherzulaufen, stellt das Format eine andere Frage: Wie geht es besser? Mehr Infos zu der thematischen Arbeit von Mission Wertvoll findet Ihr hier: https://wertvolles-wirtschaften.de/

Hoffentlich bis auf ein nächstes Mal!

Transkript anzeigen

00:00:02: Wenn wir über das Kernmerkmal der deutschen Wirtschaft sprechen, dann fällt oft ein Begriff.

00:00:07: Der Mittelstand.

00:00:09: Familienunternehmen hidden Champions – Das Rückgrat unserer Industrie und Versorgungssicherheit!

00:00:19: Und wie kommt es dann, dass wir mit so vereinfachten Kategorien darüber sprechen?

00:00:22: Was ist braucht um wieder Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit frei zu setzen.

00:00:27: Was geht denn verloren wenn vor allem angestellte CEOs große Investoren oder Verbände darüber sprechen wo die aktuellen Hürden liegen zum Beispiel die Gesellschaft am Standort selbst?

00:00:38: Um Geschäftsmodelle in Deutschland zu erneuern, um international relevant zu bleiben braucht es nämlich eine Mischung aus Verbindlichkeit und Risikobereitschaft.

00:00:46: Aus starken Traditionen und neuen Impulsen.

00:00:50: Über diese Mischungen sprechen wir mit Nadine Kammerlander.

00:00:54: Sie lehrt am Institut für Familienunternehmen und Mittelstand an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung und forscht seit vielen Jahren zu genau diesen Fragen.

00:01:04: Mit ihr reden wir über langfristiges Denken und unternehmerische Verantwortung in diesen turbulenten Zeiten.

00:01:11: Mein Name ist Maja Göpel, Ihr hört neu denken

00:01:13: – den Podcast

00:01:14: von Mission Wertvoll heute zum Mittelstand und seiner Rolle in einer sich wandelnden Wirtschaft.

00:01:20: Wenn ihr möchtet dass wir solche Perspektiven weiter sichtbar machen dann unterstützt uns gerne auch finanziell!

00:01:34: Liebe Nadine herzlich willkommen.

00:01:36: Hallo Maja Danke für die Einladung.

00:01:39: Also ich muss ja immer ganz ehrlich sagen, ich habe so eine kleine Schwäche für Personen die in ihrem Werdegang unterschiedliche Disziplinen beantragt haben.

00:01:46: Bei dir war es in dem Fall erst die Physik bevor du zur Betriebswirtschaftslehre gekommen bist.

00:01:51: Wie ist dir das passiert?

00:01:53: Das war ehrlicherweise Zufall also Serendipity würde man heutzutage sagen.

00:01:57: Ich hab die Physique immer geliebt.

00:01:59: Ich habe mir dann aber die Frage gestellt, was mache ich eigentlich damit?

00:02:03: Und damals zu der Zeit hatte ich noch nicht so viele unternehmerische Vorbilder.

00:02:08: Sonst hätte ich wahrscheinlich einfach ein Startup gegründet und so bin ich mehr oder weniger durch Zufall in die Unternehmensberatung reingerutscht ist eigentlich doch ganz spannend.

00:02:18: Also für den Physiker ist sowas eine relativ starke Erkenntnis, denn normalerweise versucht man das eher zu vermeiden.

00:02:25: Ich habe aber in der Zeit gemerkt, dass ich das einfach total spannend fand mit Menschen auch zu tun haben und zu verstehen wie Menschen miteinander agieren, wie Unternehmen miteinander agiert.

00:02:37: Und das hat dann meine Neugierde geweckt und so habe ich begonnen zu promovieren über das Thema Familienunternehmen Und bin dann dort tatsächlich hängen geblieben und mache das jetzt ungefähr fünfzehn Jahre später immer noch.

00:02:48: Einfach, weil es mir so viel Spaß macht auch die Neugierde, dass arbeiten mit Menschen aber auch das neutrale auf Situationen gucken zu verbinden.

00:02:57: Das ist eine ganz spannende Kombination finde ich.

00:03:02: Erlaubt ist das auch ganz gut, oder?

00:03:04: Du bist mit deinen Studierenden unterwegs.

00:03:06: Ihr besucht die Unternehmen, die du gleichzeitig beforst und ihr seid da viel im direkten Austausch.

00:03:12: Sonst stellt man sich gerne vor ... Manchmal rechnet mehr die ganze Zeit aber es gar nicht so im Kontakt mit den Akteurinnen und Akteuren, die man eigentlich berechnet.

00:03:22: Da bin ich vielleicht ein bisschen ... seltsames Exemplar, die meisten Physiker in die BWL gegangen sind.

00:03:29: Davon gibt es viele, die machen sehr viel Quantitative Berechnungen genauso wie du es gerade beschrieben hast und ja ich liebe meine Zahlen auch.

00:03:37: aber der Großteil meiner Forschung ist tatsächlich qualitativ.

00:03:40: das heißt Ich führe Interviews durch wir sprechen mit Unternehmen Und wenn man so auf die Universitätslandschaft und die Professorenlandschaft schaut, dann gibt es oft zwei Typen.

00:03:52: Die einen, die eigentlich nur Praxis machen und gar nicht erst versuchen das Ganze theoretisch zu erklären und Konzepte zu entwickeln.

00:04:01: Und die anderen finden wir ganz besonders auch in den USA, in den Ivory Tower Schools.

00:04:06: Das sind diejenigen, die zwar Konzepten entwickeln, die aber ehrlicherweise oft nichts mit der Realität zu tun haben.

00:04:14: Anspruch beides zu tun, also... Methodisch, saubere gute Forschung zu machen.

00:04:20: Die aber gleichzeitig nah am Unternehmen ist.

00:04:22: und das ist auf der einen Seite ehrlicherweise sehr anstrengend weil sehr viel Arbeit.

00:04:28: Auf den anderen macht es einfach unglaublich viel Spaß, weil wir so tolle Unternehmen besuchen dürfen und das geht dann wirklich von der Weltpappeherstellung bis zu den Keksen zum Tiernahrung und viele weitere Betriebe die ich in den letzten Jahren besuchen durfte um mich mit denen auszutreiben was immer wieder mein Horizont erweitert hat.

00:04:50: Dieses Immer mal in die Praxis eintauchen und gucken, ob diese theoretischen Konzepte da einen Schlüssel zum Verstehen bieten?

00:04:57: Also das ging mir auch häufig so.

00:04:59: Hast du eine Sache, fällt dir etwas ein wo du dachtest dass hat jemand theoretisch erklärt und ich habe gedacht wow das ist komplett irgendwo an der Realität vorbei?

00:05:08: Oh ja!

00:05:10: Wir haben bei uns in der Wissenschaft ein Journal, das nennt sich Academy of Management.

00:05:15: Da will jeder publizieren, weil sobald man da publiziert hat, bekommt man eine Professur.

00:05:20: Ging mir ehrlicherweise auch damals!

00:05:22: Das

00:05:23: wissen darf ich die wenigsten ne?

00:05:24: Das ist wirklich so.

00:05:24: Gatekeeping-Journal.

00:05:25: Es gibt zu einzelne in den Disziplinen Journals.

00:05:28: Da musst du rein damit du dann in der Exzellenz bist um berufen zu werden und damit bis man natürlich auch stark in der Prägung wer auch immer da die Auswahl trifft und die Videos tritt.

00:05:37: Und es dauert halt zum Teil bis zu... Drei Jahre von der Einreichung bis zur Publikation.

00:05:42: Also mein längster Prozess, also eines meiner Paper und meiner Doktorarbeit, das hatte ich ... ... zehn begonnen und es wurde zwei tausend achtzend veröffentlicht!

00:05:51: Ja, das sind Zeiträume die mag man sich gar nicht vorstellen.

00:05:54: Hoffentlich war da nicht zu viel Empirie drin.

00:05:57: Das weiß ja theoretisch, dass ist immer noch relevant.

00:06:00: Naja und auf jeden Fall dort gab's mal eine Studie, die dann auch quasi übersetzt wurde in die Praxis Und es ging darum wie man mit toxischen Chefs umgehen.

00:06:09: Und ich fand das spannend,

00:06:10: d.h.,

00:06:11: ich hab den Artikel dann gelesen und dachte mir nur so ne, was kannst du denn nicht machen?

00:06:16: Ja, das ging eben darum wie man dann den Chef vorsichtig auf sein toxisches Verhalten anspricht.

00:06:23: Alles, wie es beschrieben wurde war so not gonna happen in reality.

00:06:27: Weil das einfach ... Das war total idealistisch und jeder der schon mal irgendwie in einer schwierigen Situation war weiß, dass sind genau die Dinge, die einfach nicht funktionieren.

00:06:36: Aber vermutlich haben sich da die Wissenschaftler dann einfach bespeisen lassen von irgendwelchen oberflächlichen Antworten an irgendwelche Fragebögen ohne das mal selber kritisch zu hinterfragen

00:06:47: oder auszuprobieren?

00:06:51: Und wieso bist du genau bei Familienunternehmen gelandet?

00:06:54: Weil wir wollen ja heute mal gucken, was macht diesen Mittelstand so besonders.

00:06:58: Und Familienunternehmer sind eine Kategorie da drin.

00:07:03: Sonst wird es auch noch Größe definiert.

00:07:05: Vielleicht kannst du uns in dieses Feld ein bisschen mitnehmen.

00:07:08: Also ich habe gerade vorher schon erzählt ... Ich war dann in der Beratung und hab festgestellt, Wirtschaft ist doch ganz spannend.

00:07:14: Es gab eine Sache die hat mich unglaublich aufgeregt Und zwar war das so die fehlende Konsistenz.

00:07:22: Wir haben bei einem Unternehmen dann gearbeitet, beraten und wir haben ständig die Strategie umgeworfen.

00:07:29: Es war eigentlich klar mit dem Geschäftsmodell würde man in den nächsten Jahren keinen Gewinn machen.

00:07:34: Keiner hat sich das aber ehrlich eingestanden sondern jeder versuchte irgendwie dass die nächsten Quartalszahlen jetzt nicht ganz tief schwarz sondern vielleicht einfach nur noch dunkel grau aussehen.

00:07:46: Und irgendwann in diesem Fall kam dann ein neuer Investor und das war eine Familie, eine Unternehmerfamilie.

00:07:53: Und der hat gesagt Leute wir wissen doch alle dass es irgendwie die nächsten Jahre hart wird.

00:07:58: lasst uns das einfach doch mal anerkennen und jetzt arbeiten so dass wir in paar Jahren Gewinn machen.

00:08:04: Das war für mich ein echter Aha Effekt weil ich dann erstmals das Gefühl hatte, dass die Arbeit auch wirklich Sinn ergibt und man nicht einfach nur Maßnahmen vorschlägt, die den nächsten Quartalszahlen verbessern.

00:08:18: Sondern etwas was wirklich dauerhaft wirtschaftt.

00:08:22: Und da dachte ich mir okay, das ist ehrlicherweise die Art von Wirtschaft die erstens mal besser zu mir aus Person passt und ich zweitens aber auch viel, viel spannender finde.

00:08:33: Und als ich dann angefangen habe mich mit Familienunternehmen zu beschäftigen, habe ich festgestellt diese Eigentümer, diese Familien sind unglaublich spannend.

00:08:42: Also ich weiß ja manchmal gibt es Organisationen Die besseren Menschen darstellen.

00:08:47: das natürlich absolut quatsch.

00:08:48: Es gibt immer solche und solche, diejenigen, die ein Unternehmen hervorragend führen, diejenigen, die das nicht ganz so gut tun, ja?

00:08:55: Diejenigen den Werte sehr am Herzen liegen und aber auch diejenigen denen es vielleicht doch nur ums Geld geht.

00:09:02: Aber es ist immer eine spannende Geschichte dahinter.

00:09:04: Es ist immer auch eine gewisse Psychologie dahinter, die die entsprechenden Fälle beeinflusst.

00:09:11: Und dass ist einfach spannend, sodass ich jetzt seit ... über fünfzehn Jahren mich eigentlich Tag-eintag aus mit Familienunternehmen beschäftige.

00:09:20: Also die Fusion ja auch zwischen Eigentum, Haftung und damit eben tatsächlich auch Verantwortung komplett in dieser einen Entwederfamilie oder eben eigentümer Struktur, die auch über Generationen dann typischerweise weitergegeben wird?

00:09:35: Ist das das Kriterium, was die Familienunternehm von normalen mittelständischen Unternehmen ein Stück weit unterscheidet?

00:09:42: Also es gibt so ein paar Dimensionen, an denen sich Familienunternehmen vom mittelständischen Unternehmen unterscheiden.

00:09:48: Jetzt muss man natürlich erst mal auch fragen was ist eigentlich die Definition von Familienunternehmens?

00:09:52: Das ist ganz, ganz schwierig!

00:09:54: Als ich angefangen habe mit meiner Promotion dachte ich mir naja das ist einfach eine Stunde und dann weiß ich wie man das definiert.

00:10:01: aber nach irgendwie zwei Tagen hatte ich so viele unterschiedliche Definitionen dass ich gar nicht wusste wie ich damit umgehen soll weil wir unter Familienunternehmern ja sehr kleine Unternehmen haben, also kleiner Einzelhandel Restaurants Bäckereien bis hin zu wirklich großen Unternehmen auch beispielsweise bei BMW.

00:10:22: Bei Aldi spielt die Familie ja eine Rolle.

00:10:26: wie kann man es definieren?

00:10:28: indem er eine Familie hat oder mindestens zwei Familienmitglieder die ein Unternehmen langfristig in seinem Tun in seiner Strategie beeinflussen.

00:10:40: Das ist die allgemeinste Definition.

00:10:43: Daraus ergeben sich mehrere Dinge, das eine ist die Langfristigkeit.

00:10:47: Die meisten Familienunternehmer wollen ihr Unternehmen in der einen oder anderen Form an Kinder weiter geben und was schaffen über das eigene Leben und den eigenen Tod hinaus auch weiter wirkt.

00:11:00: Auf der anderen Seite haben wir aber auch dieses Thema, wir nennen das nicht finanzielle Ziele oder socio-emotional wealth in der Wissenschaft.

00:11:09: Das bedeutet dass die Entscheidungen im Familienunternehmen nicht immer rein finanziell maximierend getroffen werden.

00:11:19: also wenn man beispielsweise ein angestellter Manager von einem Konzern ist dann muss man ja eigentlich so entscheiden die höchstmögliche Dividende bekommen oder beispielsweise der Unternehmenswert steigt, die Aktie mehr wert wird.

00:11:36: Das heißt selbst wenn wir eine Manager haben, der beispielsweise mehr für, sagen wir mal Nachhaltigkeit tun möchte oder mehr für den Standort Deutschland tun möchte dann muss er sich immer vor den Aktionären entsprechend auch erklären und verteidigen.

00:11:53: Ein Familienunternehmer hat hingegen jegliche Freiheiten.

00:11:57: Der kann ganz bewusst sagen, wir verzichten jetzt hier auf noch mehr Gewinnmaximierung und stattdessen bauen wir das neue Werk doch in Deutschland statt im Ausland oder verbessern unsere Prozesse und nehmen irgendwelche Materialien her die umweltfreundlicher sind auch wenn das erst mal den Gewinn mindert.

00:12:17: Das machen nicht alle?

00:12:18: Aber viele, und diese Freiheit ist ein unglaubliches Kennzeichen.

00:12:25: Ich hatte das bei zwei Unternehmen vor allem auch beobachtet.

00:12:29: mit Ben & Jerry's war das eine aber eben auch Body Shop damit mit Anita Roddick.

00:12:33: die war für viele so ne Vordenkerin auch die wirklich aus sehr viel kleinen Kommunen oder kommunaler Produktion ihre Produkte erstellt hat also DV Körperpflege.

00:12:43: Und dann hat sie überlegt, ich skalier das jetzt.

00:12:45: Das ist ja häufig so der Gedanke.

00:12:47: Ich mach das größer um auch die Wirkung zu vergrößern und dann hole ich mir eben die großen Investoren rein.

00:12:53: und dann hat es wahrscheinlich auch mit der rechtlichen Rekonfiguration.

00:12:56: also wenn ich Richtung Aktien recht dann mich bewege.

00:12:59: damit schränke ich mir aber umgekehrt wie du beschrieben hast in den Gestaltungsspielraum ein.

00:13:03: Die waren beide jeweils danach doch ziemlich enttäuscht dass die Wirkung nicht multipliziert sondern er reduziert wurde.

00:13:10: würdest Du das als ein klassisches Muster beschreiben?

00:13:13: Absolut, ja.

00:13:14: Also irgendwann kommt für viele mittelständische Unternehmen die Frage wie werde ich größer?

00:13:20: Nicht für alle.

00:13:20: manche sind ganz glücklich damit irgendwie auch mittel ständisch zu bleiben aber manche wollen dann natürlich doch den nächsten Wachstum Schritt machen und dafür brauche eben Kapital.

00:13:31: und das Problem ist dass es jetzt auch nicht so viele Kapitalgeber gibt.

00:13:36: Und die meisten Kapital-Geber da draußen, denen geht's dann eben doch vor allem um die Maximierung des eigenen Profits in möglichst kurzer Zeit und dann kommt das zu einem entsprechenden Wertekonflikt.

00:13:49: Wenn dann auf der einen Seite der Investor, der meistens ja auch sehr viel Macht hat, der auch meistens sehr gut ist im Verhandlungen oder dergleichen Druck ausübt, dann ist es oft so, dass die Werte, die das vorherrige mittelständische Unternehmen ausgemacht haben, einfach doch nicht mehr überleben können.

00:14:07: Allein der Begriff feindliche Übernahme ist ja auch verrückt in dem Kontext.

00:14:11: also wenn ein Unternehmen nicht übernommen werden möchte im Prinzip es aber dann aus Kalkulationen auf der finanziellen Ebene tatsächlich stattfinden.

00:14:19: Seit wann gibt's das überhaupt?

00:14:20: Da sind doch auch rechtliche Rahmenbedingungen dafür verändert worden.

00:14:23: Ja

00:14:25: ich meine dass sehen wir schon eigentlich also schon sehr lange.

00:14:29: Wir sehen allerdings im Moment viel mehr Bewegung auch in dem ganzen Markt, was Verkäufe anbetrifft und dergleichen.

00:14:38: Und was so diese feindliche Übernahmeanbetriff für börsennotierte Unternehmen ist es so?

00:14:43: da gibt das ja dann alle möglichen Regelungen und Anzeigepflichten und ähnliches.

00:14:49: Das sehen wir ja gerade beim beim Kommerzbank bei der Kommerzwank Diskussion genau.

00:14:56: Viele von den Familienunternehmen, bei denen es ist so die sind gar nicht an der Börse.

00:15:01: Das heißt sowas wie bei der Commerzbank passiert da oder kann da erst mal gar nicht passieren sondern das sind beispielsweise GmbH Strukturen wo erstmal gar keiner von außen rein kann.

00:15:14: Die Übernahmen kommen dann zustande, wenn die Familienunternehmer das Gefühl haben, sie können ihr Unternehmen nicht mehr erfolgreich weiterführen.

00:15:23: Ihnen fehlt beispielsweise das notwendige Kapital zum Wachsen oder Sie sehen, Sie müssten sich verbreiten, Sie müssen mehr in Innovation investieren, Sie müsste in weitere Länder gehen Aber sie haben einfach das Kapital nicht.

00:15:36: Und das ist oft dann der Schritt, wo man oft auch so ein bisschen Zähne zusammen beißt und unglücklich dann doch sich öffnet und sagt jetzt hol ich mir jemanden hier

00:15:46: rein.".

00:15:55: Familienunternehmen hatten ja häufig auch was sehr Regionale eingebettetes und dann hatte man da bestimmte Kreditvergabe, Strukturen.

00:16:01: Hat das einfach die größten Ordnung irgendwann gesprengt?

00:16:04: oder hat sich eben der Bankensektor so stark verändert dass wir da einfach an die Limits gestoßen sind?

00:16:09: Also die Banken mögen Familienunternehmung immer noch sehr gerne.

00:16:14: ein Unternehmen was seit Jahrzehnten in der Region ist und erfolgreich ist dem dem gibt man sehr gerne einen Kredit, weil man weiß die können sich gar nicht leisten den nicht zurückzubezahlen.

00:16:27: Aber wir haben zwei Dinge.

00:16:28: zum ein sind die Finanzierungsbedarfe einfach unglaublich gestiegen.

00:16:34: Zum anderen muss man sagen Familienunternehmen standen schon immer im Banken sehr skeptisch gegenüber und mir fallen jetzt auf Anhieb drei Familienunternehmenein die mir im Gespräch gesagt haben Bankkredite wollen wir eigentlich nicht, weil der Familienunternehmer, der möchte die absolute Kontrolle übers Unternehmen haben und möchte niemanden haben, der ihm oder ihr da rein redet.

00:16:58: Und das ist auch irgendwo verständlich denn am Ende tragen sie ja auch die Verantwortung.

00:17:03: Die tragen die Verantwortung für all ihre Entscheidungen, die sie treffen ganz anders als beispielsweise Manager, Politiker usw.

00:17:10: und so fort.

00:17:11: Da ist es auch verständlicht dass sie dann diese Freiheit haben wollen wirklich ihre Entscheidung zu treffen.

00:17:18: Vielleicht gehen wir noch mal einmal auf dieses Spezifikum.

00:17:20: Dann würde ich mit dir gerne diese Mittelstandslandschaft in Deutschland angucken, weil die ja wirklich spannend ist!

00:17:26: Es heißt ja dann immer, dadurch dass die Familie eben auch weitergebt und in der nächsten Generation das diese Langfristorientierung auch stärker ist.

00:17:33: Ich habe umgekehrt mal bei der KfW aber auch ein bisschen gemerkt naja es kann auch innovationshemmend sein weil gerade wenn so Nachfolgen noch nicht geregelt sind oder beziehungen auf einmal im Weg wer darf jetzt entscheiden was anders gemacht wird als Papa oder Mama das gemacht haben?

00:17:49: Wahrscheinlich ist da ähnlich, wie du schon mal angedacht hast.

00:17:50: Kommt immer auch auf die Familie und die Menschen an.

00:17:53: aber typischerweise ist diese Langefristorientierung schon etwas wo genau dieser Unterscheidung ist?

00:17:58: Du erwähntest im Vorgespräch, dass das was Deutsches auch ist.

00:18:01: Dass es in den USA gar nicht so stark gegeben ist?

00:18:04: Genau!

00:18:05: Also wir haben eigentlich überall oder fast überall auf der Welt eine wahnsinnige Anzahl von Familienunternehmen.

00:18:12: Was uns hier in Europa und vor allem auch in Deutschland auszeichnet ist, dass man das Unternehmen meistens an die Kinder oder einen guten Nachmittag folger weitergeben möchte.

00:18:22: In den USA ist es häufig so, dass Familien ein Unternehmen aufbauen aber dann quasi zum Rentenei oder Ruhestandseinstrittsalter das Unternehmen verkaufen und das Geld dann entweder spenden vererben was auch immer damit machen.

00:18:40: also dieser Gedanke meine Kinder sollen das fortführen was ich mal aufgebaut habe der existiert beispielsweise in den USA und in anderen Ländern gar nicht so stark wie bei uns in Deutschland.

00:18:53: Du hattest gefragt wegen der Innovation, das ist ganz spannend.

00:18:56: wir haben uns das auch mal mit einer sehr großen Studie angeschaut.

00:19:01: Bei Innovation ist es ja auch nicht schwarz und weiß.

00:19:04: Das ist ja auch wie unterscheiden da zwischen den inkrementellen Innovationen, das heißt dass man einfach was so ein bisschen besser macht.

00:19:12: Dass wer sozusagen der Computer der nochmal zehn Prozent mehr Akkuleistung hat oder irgendwie der Thermomix der drei Funktionen mehr hat oder das E-Auto mit ein bisschen mehr Reichweite.

00:19:23: Und dann gibt es die radikalen Innovationen, die oft auch disruptiv oder diskontinuierlich genannt werden.

00:19:29: Das ist sozusagen das, dass ich den Verbrenner durch das E-Auto ersetze?

00:19:34: Oder dass sich überhaupt ein iPhone einführe?

00:19:37: Dass ich eine Plattform generiere wo Leute was verkaufen können also neue Geschäftsmodelle.

00:19:43: Und traditionell sind Familienunternehmen bei diesen inkrementellen Innovationen super, super stark.

00:19:50: Weil sie wissen, dass die Unternehmen verändern müssen.

00:19:53: Aber bei den radikalen Innovationen sind Sie zurückhaltend und das hat oft mit dem Risiko Verhalten zu tun.

00:20:00: ja weil sie einfach Angst haben, dass auch alles kaputt geht.

00:20:04: so eine radikale Innovation kann auch schief gehen.

00:20:08: wenn ich als Manager in einem Großkonzern die Idee habe, eine radikale Innovation einzuführen und sie geht schief.

00:20:15: Dann zucke ich mit den Schultern und denke mir, blöd gelaufen?

00:20:19: Die höhere Management war unsere.

00:20:20: mehr werde ich sowieso

00:20:21: machen.

00:20:21: Ja genau!

00:20:22: Und im allerschlimmsten Moment nehme ich halt die Abfindung und gehe woanders hin.

00:20:26: ja also könnte schlimmer sein Aber wenn das das Familienunternehmen ist, dann kann ich ja erst mal nirgendwo anders hin.

00:20:34: Dann weiß ich, dass ich irgendwie Dutzende vielleicht sogar hunderte Arbeitsplätze vernichtet habe in dem Ort, in dem ich wohne.

00:20:43: Dass sich vielleicht das Familien-Unternehmen was seit Hundertfünfzig Jahren besteht, dass Ich die Person war, der aufgrund einer falschen Entscheidung dieses Unternehmen zugrunde gerichtet hat... Das ist hart, ja?

00:20:56: Und deswegen zögern viele Familienunternehmerinnen und Familienunternehmere da diese radikalen Innovationen einzuführen.

00:21:03: Also das ist total nachvollziehbar!

00:21:05: Und hast du Beispiele wo es aber gut funktioniert?

00:21:09: also weil zum Teil haben wir jetzt das in Deutschland für den Sepharas ja ganz gut wenn wir ein bisschen schneller mit dem Ding auch mal sprunginnovativ vielleicht zu denken.

00:21:21: Also ich stelle mir vor, wenn das irgendwo eine Einbettung erfährt, dass ein Reiter mitgetragen wird.

00:21:27: Dass man diese individualisierte Verantwortung vielleicht breiter aufstellen kann?

00:21:32: Oder was wären gelingensbedingungen?

00:21:34: Genau also so ein Modell ist, was sehr gut funktioniert und was eigentlich hervorragend funktionieren kann nur noch öfter gelebt werden muss.

00:21:44: Wenn das Familienunternehmen neben dem eigenen Unternehmen dann nochmal, beispielsweise ein eigenes Start-up quasi aufmacht und gründet.

00:21:52: Oft geleitet von einem Next-Gender also der Nachfolgegeneration und da dann an disruptiven Innovationen auch arbeitet ja.

00:22:02: Und dafür haben wir auch einige Beispiele in Deutschland wo es beispielsweise um Hotelsoftware geht die irgendwie die alten Prozesse ablöst oder Plattformen wo beispielsweise unterschiedliche Anbieter ihre Schuhe verkaufen können und ähnliches.

00:22:18: Also wirklich auch digitale Lösungen, die aber vielleicht jetzt nicht in, keine Ahnung, Künstelsau oder Landshut irgendwo auf dem Land von irgendwelchen langjährigen Mitarbeitern erarbeitet werden sondern von

00:22:33: jungen

00:22:34: Leuten, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und die dann für den Nachfolgerin oder für den Rück integrieren.

00:22:46: Und so kann man es schaffen, dass Familienunternehmen auf der einen Seite die Innovationen weiter treiben durch diese quasi Ausgründungen und auf der anderen Seite aber auch das Kernunternehmen erst mal nicht gefährden.

00:23:00: Es heißt ja immer Deutschland ist ein starkes Mittelstandsland.

00:23:04: Eigentlich ist es aber EU-weiten Phänomen.

00:23:07: Du sagst es eben weltweit... Die Anzahl der Unternehmen, die ihr KMU oder Mittelstand sind, sind neunzig Prozent?

00:23:14: Ja.

00:23:14: In der Tat!

00:23:16: Und dann sind da andere schöne Stolzfaktoren dabei, ne?

00:23:18: Siebzig Prozent der Auszubildenden arbeiten dort... Es ist wieviel Prozent der gesamten Wertschöpfung?

00:23:24: So um die fünfzig Prozent, sagt man genau.

00:23:27: Ich glaube in Europa sogar dreien oder über den fünftig Prozenten und es sind neuneinzig Komma acht Prozent der Unternehmen eher kleiner.

00:23:34: Warum sind denn immer die Großen, die dir den öffentlichen Diskurs so bestimmen?

00:23:38: Ja, also wir haben ganz viele Mittelständler und die sind richtig, richtig gut.

00:23:45: Hinten Champions.

00:23:45: vielleicht können wir darüber nachher auch nochmal kurz sprechen.

00:23:48: Aber das Problem ist einfach, die sind damit beschäftigt ihre Arbeit richtig gut zu machen.

00:23:55: Und das heißt sie müssen sich entscheiden wie Sie ihren Tag gestalten.

00:23:59: und die gestalten ihren Tag dann eben dadurch dass sie am Unternehmen arbeiten, dass sie mit den Mitarbeitenden ins Gespräch treten vielleicht auch mit den Stakeholders in der Region aber die haben oft gar nicht die Zeit und oft ehrlicherweise nicht die Lust wirklich laut zu sein und ihre Belange usw.

00:24:15: dann wirklich auch öffentlich vorzuzufügen.

00:24:19: Man muss sagen, wir haben in den letzten Jahren in der Gesellschaft auch Trends gehabt dass manche Medien extrem kritisch über Familienunternehmen gesprochen haben die Diskussion dann alleine auf die Erbschaftsteuer auch reduziert haben so das viele Familienunternehmer das Gefühl haben.

00:24:35: Das ist ein absolutes Minenfel.

00:24:37: Sie wollen sich eigentlich gar nicht der Öffentlichkeit so groß zeigen und mit den Medien diskutieren, aber das führt natürlich in der Konsequenz dazu, dass die guten Dinge, die einfach an dem mittelständischen Unternehmen auch heute noch passieren, der größeren Öffentlichkeiten oft gar nicht bewusst und bekannt

00:24:55: sind.".

00:24:57: Wir haben ja sogar zwei Phänomen, also die Stiftung der Familienunternehmer und der Verband der Familien Unternehmer.

00:25:04: Die sind jetzt zum Teil doch sehr hörbar – zumindest bei dem Verband auch!

00:25:08: ziemlich klar positioniert.

00:25:10: Da geht es wirklich darum, die Besteuerung möglichst wegzuhalten und da sind auch viele sehr große.

00:25:16: Also ich glaube, da stolpern einige drüber und sagen Familienunternehmen hört sich erst mal so klein an und das sind ja auch immer die Argumente man kann sie nicht kaputt machen wenn man zu stark besteuert.

00:25:26: aber dann sind ja zum Teil unsere größten Konzerne mit dabei wie du eben schon ein paar andeutet hast aus einer Familie stammen, aber natürlich Größenordnungen haben.

00:25:35: Dass sie im Dachs durch die Gegend schwirren.

00:25:39: Ist das Teil vom Problem?

00:25:41: Weil ich höre das schon bei einigen großen Mittelständler.

00:25:44: Das Image des Unternehmers der Unternehmerin ist so negativ besetzt inzwischen.

00:25:50: Ja also ich glaube auch dass wir hier ein bisschen in diese Falle der Vereinfachung und der Gleichmacherei auch reinfallen.

00:25:58: Weil wenn man Familienunternehmen hört, jeder quasi an irgendeine besondere Art von Familienunternehmens denkt ohne dass wir bedenken, dass wir ganz unterschiedliche Familienunternehmer haben.

00:26:09: Und so einen von fünfzig Mann Betrieb, der irgendwo im hintersten Rheinland-Pfalz angesiedelt ist, der hat einfach ganz natürlich ganz andere Bedürfnisse als jetzt ein sehr großer Mittelständler, wo dann Familienunternehmen was vielleicht sogar in der Börse gelistet ist.

00:26:25: Und es wäre einfach wichtig die Bedürfenisse von allen abzufragen und ehrlicherweise vor allem von denen, die jetzt nicht die große Stimme in Berlin haben und die wie gesagt jeden Tag daran arbeiten dass der Betrieb aufrecht erhalten wird und die Mitarbeitenden ihr Gehalt bezahlt bekommen.

00:26:41: Das erinnert mich so ein bisschen in Brüssel.

00:26:44: Da hieß es auch immer, da ging's viel um Ressourcen, Effizienzstrategie, Ressoursenwände und solche Themen.

00:26:50: Und das war genau dieses ... Die Pioniere im Pionieren haben gar nicht die Zeit sich in diese politische Arbeit einzuwerfen.

00:26:56: Und deshalb hatte damals Janis Portocznik, der war Umweltkommissar, gesagt, ihr müsst uns helfen!

00:27:01: Weil die, die sich nicht verändern wollen, schreien am lautesten.

00:27:03: Ja?

00:27:04: Und die eigentlich die Veränderung nach vorne bringen, haben keine Kapazitäten dagegen, nicht mal zu schreihen.

00:27:11: erst mal zu sagen, was eigentlich alles gehen könnte.

00:27:13: Gibt es so ein paar Dinge wo du sagst wenn du rein hörst bei den Familienunternehmen wo du sagt sie sind so richtig diesem Standort committed und würden gerne hier viel mehr in Bewegung setzen was die sagen was ihnen fehlt in der aktuellen Diskussion?

00:27:27: Ja also ich glaube das klingt jetzt bisschen doof weil wir über Innovation sprechen.

00:27:33: aber Beständigkeit oder Verlässlichkeit in den Entscheidungen, das ist es was vielen Familienunternehmen eigentlich fehlt.

00:27:42: Also ich hab Familienunternehmer so erlebt dass sie auch durchaus bereit sind sich zu wandeln, zu innovieren anders zu werden.

00:27:52: aber Sie wollen sich halt darauf verlassen können Dass das dann in einem Jahr immer noch so gilt und nicht dass in dem Jahr dann irgendwelche Anforderungen plötzlich doppelt so hoch sind hoch.

00:28:04: Also so diese Verlässlichkeit und ich glaube persönlich ja, dass uns insgesamt ein bisschen die Strategie fehlt.

00:28:12: wo wollen wir eigentlich hin?

00:28:14: Was können wir eigentlich als Land?

00:28:16: Wir waren jetzt fünfzig Jahre plus Autoland mit der kompletten Industrie.

00:28:22: Jetzt auch wenn wir versuchen egal wie das jetzt ausgibt mit der Verbrennerdiskussion, Verbrennausjahr nein wann... Das ist wie die Gesellschaft sich entwickelt weltweit.

00:28:38: Da müssen wir uns auch weiterentwickeln, aber die Frage ist was könnte euch als nächstes sein?

00:28:42: Wo wollen wir eigentlich hin?

00:28:44: und ich glaube der Mittelstand die Familien unternehmen werden durchaus willens- und auch fähig sich darauf einzustellen egal ob das jetzt irgendwie ist.

00:28:54: wir sind irgendwie erneuerbare Technologien, wir sind besonders nachhaltig.

00:28:59: Wir gehen irgendwie in den KI-Bereich, wir gehen in einen Deep Tech Bereich und wir sind der Medizintechniksektor egal was ich glaube die können sich anpassen.

00:29:08: Die müssen nur wissen wohin geht es?

00:29:11: Und was braucht's dafür?

00:29:12: also diese Stabilität, diese Strategie die wir im Moment nicht haben das ist das eine.

00:29:18: und das zweite ist einfach das ganze Thema Bürokratie runter.

00:29:24: Und das sehe ich immer bei der Diskussion Nachhaltigkeit in Familienunternehmen.

00:29:28: Ich habe da zu viel geforscht, ein Thema was mich total interessiert und da sieht man aber so einen Dilemma, so ein Paradoxon.

00:29:36: Manche Studien zeigen dass Familienunternehm'n total nachhaltig sind und andere zeigen das absolute Gegenteil.

00:29:42: Vom gleichen Unternehmen?

00:29:43: Also ist das so faszinierend oder...?

00:29:46: Das sind nicht unbedingt die gleichen Unternehmen, aber wahrscheinlich schon.

00:29:49: Meistens man weiß ja gar nicht welches Unternehmen da denn am Ende wirklich in der Studie drinsteckt.

00:29:54: Aber wenn man sich dann anguckt wie das auch gemessen wird sobald die Messmethode ist wie viel Reports habe ich welche Zertifikate halte ich denn ein?

00:30:04: Welche Standards halte Ich den ein?

00:30:06: Da fallen Familienunternehmen oft komplett runter weil sie haben einfach niemanden der sich nochmal hinsetzt und diese Report schreibt.

00:30:14: Wenn wir allerdings gucken, was wird eigentlich substanziell getan.

00:30:17: Wer hat denn eigentlich schon die Energieversorgung erneuerbar gemacht?

00:30:22: Den Vorpark umgestellt oder auch die Produktionsmethoden so umgeändert dass es irgendwie weniger Abfall gibt oder weniger toxischen Abfall dann sind das oft die Familien unternehmen weil das einfach zu ihrem transgenerationalem Denken passt.

00:30:38: Und ist da eine Unterschied zwischen dem Großen und den Kleinen?

00:30:41: Also ich meine, bei diese Dachskonzerne sind ja schon länger auch in den Reporting-Auflagen drin.

00:30:46: Ja.

00:30:46: Sind aber auch besser Greenwashing.

00:30:52: Ich hab das Gefühl zumindest auf der CEO-Ebene ... Da geht's auch manchmal relativ opportunistisch zu.

00:31:01: Während ich das schon auch bei großen Familienunternehmen gemerkt habe tatsächlich die Eigentümer selbst sagen, wir möchten das.

00:31:08: Dann wird weniger drüber gesprochen aber es bleibt eine Orientierung auf die man sich verlassen

00:31:13: kann.".

00:31:14: Und dass auch dann ganz unabhängig wo gerade die Politik hingeht und wie gerade der gesellschaftliche Diskurs ist.

00:31:21: also wenn die Werte der Unternehmerfamilie sind?

00:31:24: Dass die Umwelt geschützt werden muss... Da macht das Unternehmen das auch.

00:31:29: Ja, genauso wie wenn die Unternehmerfamilie dafür steht für ein soziales Miteinander und gutes Miteinander dann prägt das auch die Kultur Und dann wird es auch weiter verfolgt ohne sich ständig zu fragen was haben wir denn davon?

00:31:42: Und kriegen wir hier noch eine Förderung oder hier noch einen Zertifikat.

00:31:45: Das ist dann einfach in der DNA des Unternehmens drinnen.

00:31:49: Und wenn wir, also jetzt ging es ja gerade, weil du sagst das Nachhaltigkeitsberichterstattung tatsächlich auch um viele Ausnahmen.

00:31:55: Was nach diesem Omnibus auf der europäischen Ebene übrig geblieben ist, ist sowieso für wie viel Prozent der Unternehmen noch relevant.

00:32:03: abtausend Mitarbeiter, vierhundertfünfzig Millionen Umsatz da fallen ja viele raus.

00:32:07: die sind in ihren Zulieferpositionen dann aber noch betroffen.

00:32:12: Da gibt es ja aber auch Angebote zur Vereinfachung, zur Standardisierung.

00:32:16: Da hab ich auch Positionierungen gesehen aus dem Mittelstand die das begrüßen, aber vor allem und da habe ich so das Gefühl, trennt sich gerade ein bisschen die Spreufer im Weizen, diejenigen, die ich jetzt gelesen hab beim Positionieren haben schon gesagt wir brauchen diese Verbindlichkeit, sprich das zu dem Verlässlichkeitsrahmen.

00:32:33: Und dann ja pragmatischer.

00:32:34: also das Bürokratische wird ja häufig im Moment Schossen, dass alles dereguliert werden will.

00:32:40: Während die differenzierte Position wird er sagen, nee, die Richtungssicherheit muss gegeben sein, damit ich überhaupt weiß welche Märkte werde es wahrscheinlich geben.

00:32:48: oder kann ich reingehen und wo wird politisch eben auch flankiert?

00:32:52: Aber bitte einfacher machen, standardisierter machen digitaler machen an einem Ort statt an Multiplinen nochmal anders.

00:32:59: Da ist ja viel in der Umsetzung was man leichter machen könnte und schlanker machen konnte ohne das man gleich das Kind mit dem Bad ausschütten müsste.

00:33:07: Das ist ja momentan so.

00:33:08: das Problem auch, dass wir immer nur in Entweder oder denken.

00:33:12: Entweder wir machen das irgendwie mit vierhundertzeiten Reports oder wir machen es einfach gar nicht.

00:33:17: und ich glaube, das ist ja auch irgendwie so.

00:33:19: das fast unser Problem, das wir momentan haben ganz gut zusammen weil... meiner Meinung nach wäre der richtige Weg zu sagen, ja natürlich machen wir das.

00:33:27: Also ich meine es ist ja irgendwo klar, wir können nicht so weitermachen wie bisher.

00:33:31: Wir brauchen den Weg zur Mehrnachhaltigkeit und müssen uns aber überlegen, wie wir das umsetzen ohne dass wir dann alle mit vergraulen.

00:33:40: Und das macht mich ein bisschen traurig manchmal auch weil ich das Gefühl habe, dass wir vor ein paar Jahren extrem gute Diskussionen mit dem Mittelstand, mit Familienunternehmen hatten, wie sie den Nachhaltiger werden könnten.

00:33:53: Aber auch durch die ganzen medialen Diskussionen und so ist das jetzt mittlerweile zum Teil beim Mittelstand ein verbranntes Wort.

00:34:00: Ich bin immer am Suche nach Synonym, wie wir da drüber sprechen.

00:34:05: Weil einfach diese Assoziation da ist mehr Reportingarbeit.

00:34:14: Und davon müssen wir halt irgendwie weg.

00:34:15: Wir wissen wieder dahin, dass wir diese Dinge als Chance sehen.

00:34:20: Das ist ja eine echte Chance auch für die deutsche Industrie, für den deutschen Mittelstand.

00:34:25: Dass wir da richtig gut werden, gute Technologien entwickeln, die wir dann hier auch wieder exportieren können statt der Autos, die Wir gerade exportieren und damit auch wieder unsere Wirtschaft

00:34:35: ankurbeln.".

00:34:43: den wirtschaftlichen Diskurs mitnehmen.

00:34:44: Weil mir geht das so gegen Striche, dass es meist die Wirtschaft wird an das und das.

00:34:48: Wo ich das gewöhne, aber es gibt nicht die Politik, es gibt keine Wirtschaft sondern es gibt immer eher Gruppierungen wie du hast eben Werte gesagt, die teilen oder eben auch eine bestimmte Mindset also die einfach gesagt haben na klar!

00:35:01: Es geht ja erstmal um eine Datenerfassung.

00:35:03: Und wenn ich sage, ich will wieder blind steuern.

00:35:06: Ich will nicht mehr wissen wie viel Wasser hier und da ich verbrauche dann ist das irgendwann eben auch ein Risiko.

00:35:10: Die Finanzierer lassen ja auch nicht so richtig davon ab momentan.

00:35:14: Das heißt ... dann differenzierter gesprochen werden können über die Wirtschaft, also gerade wenn wir über Standort sprechen.

00:35:22: Weil für mich ist das auch momentan so defensiv.

00:35:25: Alles muss irgendwie schneller billiger effizienter Leistungsbereiter werden.

00:35:30: um die Frage wofür?

00:35:31: Wo geht's denn hin?

00:35:32: was macht diesen Standort eigentlich aus?

00:35:34: wo sind wir eben auch stolz drauf?

00:35:35: wo sind die Traditionen an die man anknüpft kann?

00:35:38: Das sind ja alles Dinge die ich bei dir auch stark gehört habe die Menschen motivieren.

00:35:43: Welche Allianz brauchen wir dafür?

00:35:44: Oder welche Art von Gespräch brauchen wir da für um diesen Standort und im Grunde genommen dieses Fund, von sehr diversifizierten Unternehmen anders ernten zu können.

00:35:55: Also ich glaube, wir brauchen vor allem eine entschleunigte Diskussion also ne Diskussion das mehr zuhören so nicht des sofortigen reagieren Und eine Diskussion, wo wir wirklich – man kann jetzt nicht alle drei Millionen Familienunternehmen befragen und zu Wort kommen lassen.

00:36:16: Aber wo man bewusst auch mal auswählt mit wem man spricht und bewusst beispielsweise auf die kleineren Betriebe im ländlichen Raum hört.

00:36:28: Weil das ist auch etwas was mir so ein bisschen in der Diskussion oft abgeht wenn wir von den ganzen Großunternehmens sprechen Nicht immer, aber häufig dann auch irgendwo in den größeren Städten oder in den Speckgürteln.

00:36:41: Aber Deutschland ist nun mal ein dezentralisiertes Land.

00:36:45: Und wenn wir jetzt irgendwo in die Schwäbische Alp gucken oder nach Niederbayern gucken, dann gibt es da ganz oft die mittelständischen Betriebe, die oft nicht mehr ganz klein sind, mittelgroß und einfach auch die wirtschaftliche Grundlage für diese kleineren Städte und Dörfer liefern.

00:37:03: Ich frage mich immer was passiert eigentlich, wenn's die nicht mehr gibt?

00:37:08: Also wenn der Eigentümer sagt, ich mag nicht mehr.

00:37:12: Mir reicht's!

00:37:13: Ich verkaufe das ja.

00:37:15: und wenn das dann am Ende geschlossen wird was machen wir denn eigentlich mit den ganzen Leuten?

00:37:20: Wenn die keine Arbeit mehr haben in ihrem Dorf, dann ziehen die alle in die ganzen Städte.

00:37:24: Dann haben wir noch ein größeres Problem mit Wohnungsbau und Ähnlichem.

00:37:28: also... weil du nach dem Gespräch gefragt hast, entschleunigte ja mehr zuhören und mehr verstehen.

00:37:36: Ich glaube die Probleme sind zum Teil nicht verstanden.

00:37:39: Und vor allem aber auch die Probleme von denen, die in den ländlichen Regionen sind zu verstehen.

00:37:46: Vielleicht auch wirklich die Definitionen?

00:37:48: Also jetzt kommt mir gerade Wertschöpfung in den Kopf!

00:37:51: Weil ich habe mal mit der Regionalwert AG eben mich auch beschäftigt, die ja grade im landwirtschaftlichem Bereich sagen wir müssen ja zusätzlich etwas limitierteren Ertrag, der da bilanziert wird sagen.

00:38:04: Wie kann ich denn positiv bilanzieren wenn ich beispielsweise den Boden wieder aufbaue?

00:38:07: Wasseraufbau oder eben diese Ausbildungsintensität ist ja wirklich bei Mittelständern deutlich größer als bei Konzernstrukturen.

00:38:14: das heißt ich schaffe auch einen zum Sozialkapital, Humankapital.

00:38:20: Wenn wir sagen wo sind danach im Land die Innovationspotenziale?

00:38:23: Wenn Menschen gut ausgebildet sind in einem guten Klimaaufwachsen dann sind sie vielleicht ja auch kreativer und empfinden die neuen Dinge oder eben die Zusammenhalt.

00:38:33: das haben die versucht zu sagen alleine dass dann eben in Krisensituationen gesagt wird, wir kennen uns.

00:38:39: Wir kooperieren bis hin zu ich gebe dir mal Kredit oder Tokenwährungen um erst einmal ein Lokal zu stabilisieren.

00:38:46: Das sind ja ganz andere Formen von Wertschöpfung die traditionell A in der Bilanzierung oder in der Definition, wie wir das messen überhaupt nicht vorkommen und jetzt eben auch in dem Druck, der von außen kommt woran wir uns messen sollen mit unserem Standort völlig lächerlich gemacht werden.

00:39:04: zum Teil

00:39:05: Ja, und dabei ist das aber das was eigentlich den den Standort Deutschland oder die Standorte in Deutschland, in der Vergangenheit auch ausgemacht hat.

00:39:15: Also wenn wir zurückgucken so ins neunzehnte Jahrhundert das waren die deutschen Familienunternehmen, die dann ihren Mitarbeitern oft ganz günstige Mitarbeiterwohnungen angeboten haben.

00:39:25: natürlich war das auch gut fürs Unternehmen.

00:39:27: ja weil sie damit Mitarbeiter hatten die glücklicher waren weniger krank waren und länger geblieben sind.

00:39:33: aber der Wert für die Gesellschaft war natürlich unfassbar groß weil die Leute sich plötzlich Wohnungen lassen konnten, in denen sie mit ihren Familien auch leben konnten.

00:39:43: Und ich glaube das ist etwas was wir momentan auch in der Diskussion so ein bisschen übersehen.

00:39:48: ja vor allem wenn wir dann sagen naja die Familienunternehmer brauchen wir die eigentlich überhaupt noch weil so Familienunternehmere Wir reden ja manchmal auch dann darüber, dass die alle ins Ausland gehen.

00:40:00: Das ist natürlich irgendwie so Quatsch.

00:40:02: So ein Mittelständler der zwei, drei oder vielleicht auch nur eine Fabrik irgendwo auf dem Land hat kann nicht einfach die Fabrik umziehen in das Ausland.

00:40:14: Erste mal das Ganze fortzuführen und zweitens zu verkaufen.

00:40:18: Und so einen Verkauf von einem Unternehmen, das ist jetzt per se nichts Schlechtes.

00:40:22: Wir sehen seit ein paar Jahren immer mehr Verkaufsaktivitäten in Deutschland.

00:40:27: Also als ich angefangen habe mit meiner Professorin Fallenda, war das noch ein ganz kleines Thema.

00:40:33: Das ist immer immer mehr geworden über die letzten Jahre entweder weil es keine Nachfolger gab oder weil man einfach nicht mehr wollte.

00:40:42: und Ich hab mir meinen Doktoranden danach mal angeguckt an wem wird das eigentlich verkauft?

00:40:46: oft dann Private Equity und Ist das gut oder schlecht?

00:40:50: Er war total erstaunt, dass so die ersten Jahre nach einem Verkauf an Private Equity von vielen total positiv gesehen wurden.

00:40:57: Kannst

00:40:57: du noch mal ganz kurz einmal sagen, Private Equity ist auch nicht immer das Gleiche, sondern dass wir da einmal auch empacken?

00:41:02: Genau!

00:41:03: Also mit Private Equity meinen wir Finanzinvestoren und ich meine jetzt ganz speziell die Finanzinvestorinnen, die ein Unternehmen kaufen zum Entweder Ganz oder mit einer Mehrheit vier bis sechs Jahre total umkrempeln.

00:41:21: Neues Management-Team, neue Prozesse, neue Produkte, neue Märkte und so weiter und sofort.

00:41:28: Interessanterweise wird das von vielen auch Mitarbeitenden erstmal ganz positiv gesehen.

00:41:33: ja die freuen sich dass es vorangeht, dass es Wandel gibt was übrigens auch zeigt dass Familienunternehmen sich ändern können.

00:41:41: Aber das Problem ist, dass wir keine Strategie haben was mit diesen Familienunternehmen danach passiert.

00:41:47: Weil die typischerweise wieder rausgehen ne?

00:41:49: Fünf bis sieben Jahre oder so.

00:41:50: Genau und die müssen raus gehen ja!

00:41:52: Die haben noch nicht mal eine Option sondern das ganze Geschäftsmodell von den Private Equities ist darauf ausgelegt, dass Sie quasi rausgehen um mit Gewinn verkaufen.

00:42:01: Sonst steigen denen quasi ihre Leute die Geld hineingesteckt haben auf's Dach Und dann verkaufen die an einem weiteren Private Equity.

00:42:10: Und irgendwann gehört dann das Familienunternehmen, eine Private Equity Firma am anderen Ende der Welt die wahrscheinlich den Standort noch nicht mal auf der Landkarte finden würde und sich sicherlich nicht um die Mitarbeitenden, um die Innovationskraft und um den Standord auch

00:42:26: kümmert.".

00:42:27: Und deswegen müssen wir uns eigentlich überlegen, was soll eigentlich mit all diesen Unternehmen passieren?

00:42:33: Was sind eigentlich gute Konzepte?

00:42:35: und ich glaube, wir haben in Deutschland ausreichend Kapital.

00:42:39: Family Offices ist so ein Begriff also Unternehmerfamilien die irgendwie ausreichende Kapital haben deutsche Private Equities, die vielleicht eher langfristiger auch denken können mit entsprechenden Geschäftsmodellen.

00:42:51: Das sind gute Käufer.

00:42:53: Aber wir müssen aufpassen, dass wir am Ende nicht so eine Entkopplung haben von unserem Standort und den Eigentümern ganz am anderen Ende der Welt.

00:43:02: Weil das ist ein bisschen wie mit diesem kochenden Frosche im kochen Wasser.

00:43:08: Man merkt das erst nicht, weil die ersten Jahre noch gut funktionieren.

00:43:12: Und irgendwann stellt man dann aber fest, dass man sich in eine Situation gebracht hat aus dem man ganz schwer oder vielleicht auch gar nicht mehr wieder raus kommt.

00:43:20: Ja, das Wichtige ist ja der Perspektivwechsel.

00:43:23: Also ich finde manchmal Investitionen und Extraktion sind da eigentlich ganz hilfreich weil wenn ich reingehe und sage Ich gehe da rein nur um mehr Geld zu machen und weiß das schon von Anfang an Das muss das übergeordnete Ziel sein Dann kommt noch eine bestimmte Fristigkeit dazu die auch mit festgelegt ist.

00:43:40: Ja dann ist das andere eher so manövriermasse

00:43:43: Während

00:43:43: umgekehrt würde ich sagen Geld und Kreditaufnahme sollte das Mittel zum Zweck sein in der kontinuierlichen produktiven Verbindlichkeit halten zu können.

00:43:54: Das ist ja umgekehrt.

00:43:54: auch dann das Argument gegen eine Erbschaftsteuer, dass man sagt, das Unternehmen soll fortbestehen können und deshalb braucht es eine gewisse Liquidität.

00:44:01: Das is aber jeweils ne andere Perspektive mit der ich auf ein- und die gleiche Einheit eines Unternehmens eben draufschaue.

00:44:08: Und deshalb hatte ich wirklich das Gefühl wir müssen da echt n bisschen ... entspannt vielleicht auch über Eigentumstrukturen sprechen können.

00:44:18: Weil ja auch Unternehmensrecht und wie die Gefasstheit ist, also die rechtliche Gefastheit ist ja auch in den USA sehr stark verändert worden bis hin dass große Konzerne auf einmal wie Rechtspersonen behandelt wurden.

00:44:32: Also es fällt ja auch nicht vom Himmel und damit ist dieser Shareholder Orientierungszwang, den du vorhin beschrieben hast, ja auch noch mal intensiviert worden.

00:44:40: Und deshalb finde ich so Suche wie Puppes Unternehmen zum Beispiel spannend, wo jetzt ja noch mal ein Vorschlag ist einer Rechtsform.

00:44:47: Die so Zwischenstiftung und eben ganz privaten Eigentum des Verantwortungseigentums positioniert was eben dann andere Möglichkeiten auch bietet das Kapital im Unternehmen zu halten und die Eigentums Strukturen eben leichter verändern zu können ohne dass es die Substanz gewährt.

00:45:03: Das heißt da ist ja ganz viel Spielraum wie man das Unternehmen und damit auch Unternehmertum konzipieren und koordinieren könnte.

00:45:12: aber Darüber reden wir gar nicht.

00:45:14: Ja,

00:45:15: weil wir wieder eben in dieser Dichotom-Diskussion sind... Also ich hatte vor ganz vielen Jahren schon auf einer meiner Familienunternehmensveranstaltungen einen Vortrag zum Thema Verantwortungseigentum, weil ich das wunderbar finde und ich kenne total viele Familienunternehmer die es auch gut finden.

00:45:35: Es gibt aber auch ein paar, die finden das ganz, ganz schrecklich.

00:45:39: Dann habe ich die mal gefragt Leute, was habt ihr denn?

00:45:42: Also warum seid ihr so gegen diese neue Formen?

00:45:46: und die Aussage war wir haben Angst dass einfach nicht der Platz ist für all die unterschiedlichen Formen sondern das man dann sofort quasi ganz sagt, dass jedes Familienunternehmen jetzt ein Verantwortungseigentum sein muss.

00:46:01: Und es kann ja auch nicht sein.

00:46:03: also ich glaube wir brauchen in Zukunft eine Bandbreite vom Familienunternehmens Börsen notiert ist bis zum kleinen Mittelstand, das Verantwortungsunternehmen.

00:46:14: Die Familienstiftung oder vor ein paar Jahren war der Textilhersteller im Gespräch eine Mitarbeiter-Stiftung als neue Eigentümerstruktur haben wollte.

00:46:25: Dann ein paar Private Equities braucht man wahrscheinlich auch um schnell Geld in manche Bereiche zu werfen einige Family Offices die ähnlich wie Private Equity investieren aber dafür langfristiger und ohne Gewinnmaximierung.

00:46:39: aber wir brauchen diese ganze Bandbreite.

00:46:42: Dann könnte was wirklich Schönes passieren, aber das passt halt leider nicht in eine Headline einer Zeitung und lässt sich auch nicht in drei Minuten

00:46:49: erklären.".

00:46:52: Aber im Prinzip wenn ich so überlege, dass Unternehmertum ist ja immer mit Entrepreneurship diesem unternehmerischen Denken, da kommt es ja durch!

00:47:00: Also wenn du das so beschreibst dann ist ja eigentlich der variablen Raum und das was wir an Möglichkeiten hätten um jeweils Lösungen für Antworten auf Problemebedürfnisse, Chancen zu finden, wäre ja eigentlich da.

00:47:15: Wie kriegen wir das?

00:47:15: Ist der lokale Raum dann erst mal das, wo es einfacher wird die Sammarbeit vielleicht zwischen der Kommune, also durch eine Stadtregierung oder einer Rural betrachtet vielleicht eine Gemeinde, müssten die Bundesländer damals ein bisschen mehr Raum lassen, dass dort mehr Entscheidungen getroffen werden können?

00:47:35: Also wie kriegen Dieses Unternehmerische vom Produkt oder der Dienstleistung bis zur Konfiguration?

00:47:40: hoch ist geil.

00:47:41: Seine schwierige Frage!

00:47:43: Also ich glaube, wir müssten uns einfach in Deutschland nochmal überlegen was sind eigentlich Themen auf Bundesebene und was sind Themen die wir weiter unten besprechen müssen?

00:47:55: Und es gibt Themen.

00:47:57: Also meine persönliche Meinung ist, dass man eigentlich das ganze Bildungsthema deutlich vereinheitlichen müsste.

00:48:03: Weil nur so schafft man dann wirklich auch Innovation und Erneuerung statt wenn jedes Land vor sich selbst hinwirkt.

00:48:11: Das Wirtschaftsthema, aber genauso wie das Energiethema.

00:48:15: Das sind so Themen die kann ich eigentlich nur auf unterster Ebene, kommunaler Ebene oder vielleicht noch irgendwie auf Landesebene so richtig anpacken weil ganz ehrlich eine Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern sieht anders aus, hat andere Probleme aber auch andere Chancen als die in Bayern beispielsweise.

00:48:36: Die Stadtstaaten haben eine ganz andere Ausgangssituation als jetzt ländliche Gebiete wie wir sie in Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg auch haben Und wir machen manchmal meiner Ansicht nach den Fehler, dass wir Lösungen suchen die für das ganze Land gelten.

00:48:52: Das sieht man beispielsweise bei der Energiefrage.

00:48:55: ja es gibt einfach Teile da haben wir unglaublich viel Wärme im Boden und Teile in Deutschland erscheint die Sonne öfter oder der Wind weht mehr.

00:49:04: Und es gibt einfach Teile, da habe ich nichts von all dem.

00:49:07: und wenn ich aber versuche jetzt das gleiche Konzept, die gleichen Förderrichtlinien über das ganze Land auszurollen dann werde ich am Ende immer suboptimale Lösungen haben.

00:49:17: Das heißt eigentlich bräuchten wir das von unten hinauf in Diskussion mit sehr regionensspezifischen Lösungen.

00:49:27: Das würde gut funktionieren, das Problem ist halt Die Lösung lässt sich nicht so wirklich sexy verkaufen.

00:49:33: Und zweiter Punkt, es ist halt einfach verdammt viel Arbeit!

00:49:36: Ja,

00:49:37: ja.

00:49:37: Strukturwandel noch mal auf einer ganz anderen Ebene oder auf der administrativen und organisierenden... Und damit hätten wir wieder so eine länger Fristigkeit?

00:49:45: Ich müsste auch vorhin als du das ausführst mit den Orientierung wirklich überlegen wie kriegen wir das in die politischen Raum auf zurück?

00:49:52: also was da so?

00:49:54: das Quartalsergebnis im Konzern ist es die Sonntagsfrage bei der Politik und weder noch ist besonders hilfreich wenn es tatsächlich darum geht langfristig zu gucken.

00:50:04: Wiederwahl ist die Währung.

00:50:06: Der Aktienkurs ist das Erfolgskriterium.

00:50:08: und sehen wir auch, dass mit Aktienrückkäufen und Dividendenorientierung nicht unbedingt ihre Investitionen in die Innovation des Geschäftsmodells priorisiert werden.

00:50:18: Das heißt für den Standort, um sich auch so ein bisschen aus diesem Druck raus zu befreien.

00:50:24: Weil das macht mich im Moment fertig, dass wir uns einfach von den USA sagen lassen, ihr müsst den gleichen Produktivitätszuwachs haben wie wir die gleichen Energiepreise, wie wir das gleiche Botoinlandesprodukt ... Das ist ja völlig ignorant dessen, dass es unterschiedliche Voraussetzungen sind und stellt nicht die Frage ob wir eine Gesellschaft sein wollen als dort oder jetzt.

00:50:42: die Vergleiche mit China natürlich gibt es dann auf der Gesamtkosten-Ebene, die sich zusammenbildet Herausforderungen im Preis, im Markt zu bestehen.

00:50:51: Aber es gibt ja auch da Möglichkeiten tatsächlich auch politisch zu unterstützen und vor allem nicht aus dem Blick zu verlieren.

00:50:59: wo wollen wir denn hin?

00:51:00: Also wie soll dieser Standort in sich gesamt in Zukunft aussehen?

00:51:04: Das erinnert mich gerade an eine Diskussion, die wir vor ein paar Jahren in der Familienunternehmensforschung hatten.

00:51:10: Da gab es nämlich Stimmen, die haben sich vor allem auf die Nachteile von Familienunternehmen konzentriert wie dass die Familie vielleicht nicht immer die besten an die Spitze kommen und so.

00:51:21: Und hat dann eigentlich sozusagen als Konklusio gehabt, Familienunternehmer müssen mehr werden wie Nicht-Familienunternehmen?

00:51:30: Das Klang im ersten Moment gut, ist aber natürlich totaler Blödsinn.

00:51:34: Weil wenn man das verfolgt als Familienunternehmen, bedeutet es am Ende dass man eigentlich ein schlechtes Nicht-Familien-Unternehmen ist.

00:51:43: Wenn man das so in der Physik mal beschreiben würde, das ist eine Assymtote.

00:51:46: Man nähert sich an und ist nie genauso gut weil nicht-familie.

00:51:50: Unternehmen haben immer noch ein paar Aspekte Und die ganzen familienunternehmenspezifischen Stärken die man vorher hatte.

00:51:57: Die hat man aber irgendwie mit dem Bade ausgeschüttet, weil man ja werden wollte wie nicht-familienunternehmen.

00:52:04: Deswegen sagen wir jetzt den Familienunternehmen guckt euch die Nicht-Familenunternehmen an, guckt ob es da irgendwas gibt was ihr auch übernehmen könntet beispielsweise im Bezug auf Innovationsförderung.

00:52:16: Wisst aber auch, was eure Stärken sind?

00:52:18: Baut eure Stärke aus und guckt wie ihr mit euren Schwächen umgeht.

00:52:23: Und ob man da irgendwie sinnvoll etwas loswerden kann.

00:52:26: Genauso, finde ich, müssten wir auf unser Land gucken, dass wir uns mal fragen, was haben wir eigentlich für Stärkungen?

00:52:33: Ja.

00:52:34: Und die gehen momentan ein bisschen unter, aber wir haben halt schon auch sehr schlaue gut ausgebildete Leute da und eine Infrastruktur, die mit ein bisschen mehr Invest auch wieder top sein kann.

00:52:44: Gute Ideen.

00:52:45: Eine nicht ganz so schlechte Lage

00:52:46: usw.,

00:52:47: und sofort ... Wir müssen uns überlegen was können wir eigentlich machen?

00:52:51: Wo wollen wir hin um?

00:52:53: was sind unsere Stärken?

00:52:54: statt zu überlegen wie können wir sei es egal ob das jetzt China oder USA ist Wie können wir den anderen nacheifern

00:53:02: Und vor allem Europa, ne?

00:53:03: Also da denke ich im Moment immer wieder darüber nach.

00:53:06: bitte.

00:53:07: Jetzt nicht aus dem Blick verlieren dass die eigentliche Garantie für diesen Standort ein europäisches Weiterdenken ist angefangen von fünffünfzig Prozent Exporte in diesem Binnenmarkt und dann natürlich aber auch dort eine größere Übereinkunft in dem was die grundlegenden Werte von Wettbewerbsfähigkeit sein sollen.

00:53:26: Im Drage-Report waren sie noch klar ausbruchstabiert, jetzt muss man schon wieder um Nachhaltigkeit.

00:53:30: So hat erst zumindest ja noch zusammengefasst innerhalb einer nachhaltigen Umwelt mit hohen Sozialstandards.

00:53:36: Jetzt haben wir das Gefühl es müssen rechtfertige.

00:53:40: und da vielleicht nochmal zum Schluss würde ich die Frage, weil ich das so wahrnehme und ich kenne es ist auch unangenehm in der Öffentlichkeit zu stehen und angemackert zu werden neben dem Appell dass wir mal ein bisschen sachlicher und ruhiger widersprechen Wie kriegen wir denn noch mal Mut oder Bereitwilligkeit?

00:54:00: Eins von beiden.

00:54:01: Bei den wirtschaftlichen Akteuren gestärkt, die im Grunde genommen ganz in Ruhe hier wirklich zukunftsorientiert unterwegs sind und auch wissen, dass es dafür bestimmte Rahmenbedingungen braucht.

00:54:13: eine Corporate Political Responsibility habe ich das immer einmal genannt Und es kommt so oft zurück Wir sind ja nicht politisch aber es geht ja nicht darum parteipolitisch zu sein Aber anzuerkennen.

00:54:24: Ohne bestimmte Rahmenbedingungen ist es auch schwer, das zu bilanzieren.

00:54:28: Beispielsweise mittelfristig woanders stehen zu wollen und umzubauen.

00:54:34: Wir haben das mal von der Weile als Haltungzeigen betitelt.

00:54:40: Auch wenn man sich jetzt nicht parteipolitisch irgendwie beteiligt als Unternehmer, dass man trotzdem Haltung zeigen muss.

00:54:47: Dass man zum Beispiel die Werte, die man selber im Unternehmen lebt ... auch nach außen tragen soll.

00:54:53: Jeder auf seine Weise, die eine Nachfolgerin vielleicht auf TikTok oder Instagram der andere Unternehmer oder Unternehmerin vielleicht im Interview ... Aber wir haben hier in Deutschland ja diesen Begriff der Hidden Champions und wir waren da unglaublich, oder wir sind doch immer noch unglaublich stolz auf die thousand-sixhundert Hidden Champions.

00:55:13: Von viertausend

00:55:14: insgesamt?

00:55:14: Auf der Welt hab ich gelesen!

00:55:16: Das sind schon

00:55:17: echt viele, die man zum Teil gar nicht kennen.

00:55:20: Also ich finde das immer noch Wahnsinn.

00:55:22: Ich bin jetzt seit zehn Jahren in Koblenz und jedes Jahr lerne ich ein neues, tolles Familienunternehmen kennen!

00:55:30: Das Ganze in der Nähe setzt, von dem ich aber nichts wusste.

00:55:32: Es sind alles so Hidden Champions die einfach in der Vergangenheit gesagt haben wir tun gutes im Unternehmen?

00:55:39: Aber wir reden nicht drüber weil wir sind ja BtoB deswegen muss unsere Marke gar nicht so bekannt sein und das hat fünfzig Jahre hindurch gut funktioniert.

00:55:49: aber jetzt haben wir mehrere Probleme.

00:55:51: ein Problem ist die jungen Leute kennen da die Unternehmen gar nicht.

00:55:54: Die wollen vielleicht gar nicht anfangen.

00:55:57: wenn wir keine jungen dann werden die auch nicht weiter wettbewerbsfähig sein.

00:56:03: Die brauchen ja Innovation, sie brauchen den Input.

00:56:06: und auf der anderen Seite wenn niemand weiß was für tolle Unternehmen wir in der Region haben, dann führt das dazu dass wir einfach weiter das tun was wir gerade tun nämlich jammern wie schlimm alles ist.

00:56:19: Deswegen, glaube ich, müssten die Hidden Champions wirklich dieses Hidden aus ihrem Namen streichen.

00:56:24: Champions bleiben ja absolut,

00:56:26: aber irgendwie... Committed Champions!

00:56:28: Der Begriff gefällt mir genau.

00:56:30: Committed champions, die auch darüber sprechen und das weitermachen.

00:56:34: Und wo wir einfach rauskommen aus der Frustration und sehen, Mensch, wir haben so tolle Unternehmen in Deutschland.

00:56:42: Lasst uns doch damit weiterarbeiten, lasst uns da auch neue solche Unternehmen gestalten weil Sie hat doch noch.

00:56:50: Und dann den Appell wirklich an die Politik hört auf, die ganze Zeit ständig alles wieder in Frage zu stellen?

00:56:56: Ja!

00:56:59: Dann nehme ich das jetzt quasi als finales mit.

00:57:02: wir brauchen dieses Zielbild für den Standort bevor wir überhaupt darüber diskutieren können woran wir die Wettbewerbsfähigkeit diese Standorts messen lassen wollen weil einige sind einfach nur eine Abwärtsspirale und wir möchten eigentlich ganz gerne zeigen dass ganz andere Sachen möglich sind.

00:57:16: Genau Nadine, tausend Dank dafür.

00:57:19: Sehr, sehr spannend deine Forschung und ich glaube, ich komme mal mit!

00:57:23: Sehr gerne du bist jederzeit eingeladen.

00:57:25: Danke für das Gespräch.

00:57:26: Danke

00:57:27: dir.

00:57:34: So vielen herzlichen Dank fürs Zuhören.

00:57:38: Neudenken ist ein Projekt von Mission Wertvoll Ein Science Society Netzwerk dass sich den Chancen und Wegen in eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat.

00:57:46: Wie wir dahin kommen?

00:57:47: Das werden wir nur gemeinsam herausfinden Und deshalb freuen wir uns über eure Aufmerksamkeit und euer Feedback.

00:57:53: Besonders dankbar sind wir alle denjenigen, die durch einen finanziellen Beitrag unsere Arbeit hier möglich machen.

00:57:59: Wenn auch du Lust hast neu denken zu fördern und aktiv mitzugestalten dann schau gerne einmal in die Show Notes.

00:58:05: wie das

00:58:05: geht!

00:58:07: Hoffentlich bis zum nächsten Mal.

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