Zivilisation NEU DENKEN | Ein Rückblick

Shownotes

Host Maja Göpel reflektiert die 6. Staffel des Podcast NEU DENKEN zum Thema "Zivilisation".

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NEU DENKEN ist ein Video- und Audiopodcast, der unseren gesellschaftlichen Diskurs neu aufrollt – respektvoll und lösungsorientiert. Statt der nächsten Aufregung hinterherzulaufen, stellt das Format eine andere Frage: Wie geht es besser? Mehr Infos zu der thematischen Arbeit von Mission Wertvoll findet Ihr hier: https://wertvolles-wirtschaften.de/

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Hoffentlich bis auf ein nächstes Mal!

Transkript anzeigen

00:00:00: Liebe Leute Denkende, herzlich willkommen zu einem weiteren Staffelrückblick.

00:00:04: Wir haben uns ja sechsmal ein großes Thema vorgenommen um zu sagen wir hätten das eigentlich gerne ein bisschen breiter beleuchtet aus fünf unterschiedlichen Perspektiven.

00:00:14: Vor allem wenn die Themen sehr offensiv benutzt werden oder gesetzt werden dann ist es ja wichtig zu fragen warum?

00:00:20: Zu diesem Zeitpunkt und vor allem auch wer setzt sie mit welcher Interpretation werden Sie aufgeladen?

00:00:26: Und jetzt haben wir uns das Thema westliche Zivilisation vorgenommen.

00:00:31: Vor allem, weil im Februar relativ offensiv dieses Thema gesetzt wurde und zwar von einem freundlichen US-Außenminister der den Europäern und Europäerinnen eine Partnerschaft angedeutet hat in der westlichen Zivilization mit den USA zusammenzuwirken und diese zu verteidigen.

00:00:50: Das Partnerschaftliche dabei fand ich etwas unterentwickelt und genau deshalb haben wir gedacht, wir sollten mal genauer hinschauen.

00:00:57: Was denn eigentlich die Vereinigten Staaten unter der Trump-Administration, Unterwestliche Zivilisation verstehen?

00:01:03: Wie das mit europäischen Werten zusammenhängt?

00:01:06: Und ob wir da wirklich einfach mitmachen wollen vor allem wenn die Einladung so wenig freundlich ist wie wir es inzwischen ja auch sehen in der nationalen Sicherheitsstrategie der USA zu Europa.

00:01:15: mehr so ein Sich zu unter Orten in Nawazal.

00:01:19: Und vor allem ist im Juli tatsächlich auch noch ein Funding rausgekommen vom State Department in den USA.

00:01:25: Vier Millionen Euro für Gruppen, die in Europa mal Einfluss darauf nehmen wie hier eigentlich Politik gemacht wird und zwar zu den uns bekannten populistisch aufgeladenen Themen Migration Kultur Bildung und natürlich die Frage was denn diese Zivilisation ausmachen sollte.

00:01:42: Da haben wir gedacht, da gucken wir doch mal selber rein.

00:01:44: Was denn eigentlich westliche Zivilisation ausmacht?

00:01:47: Welche unterschiedlichen Perspektiven da relevant sind und ob Europa da wirklich mitziehen möchte oder vielleicht ganz souverän sagt – eigentlich hat das für uns immer ein paar andere Dinge ausgemacht!

00:01:57: Und die würden wir auch gerne weiter hochhalten.

00:02:08: Als erstes Thema in dieser Staffel haben wir Fortschritt gewählt.

00:02:13: Denn Zivilizationen hängen durch eine Fortschutzerzählung zusammen Diese gemeinsame Reise, diese Schicksalsgemeinschaft auf dem Weg zu etwas hin.

00:02:21: Da sind natürlich dann Soziologinnen und Soziologen ganz vorne dabei?

00:02:25: Wir haben uns Andreas Reckwitz eingeladen – derjenige, der wirklich intensiv zur Fortschrittserzählung in Demokratien geforscht

00:02:32: hat!

00:02:33: Die Moderne glaubt an den Fortschritt.

00:02:35: Wenn man jetzt vor moderne Gesellschaften im Augen hat, war das eigentlich nie der Fall?

00:02:41: Man hat eher, wenn man da geschichtliche Prozesse im Auge hatte ... Das ist ganz zyklisch gedacht.

00:02:46: Es geht immer auf und ab oder dass es im Grunde immer das Gleiche ist, dass alles gleich bleibt.

00:02:52: Oder eher, dass man denkt, es geht bergab.

00:02:54: Man hatte die goldenen Zeiten hinter sich und jetzt ist es ein schleichender Niedergang.

00:02:58: Aber dass die Moderne diesen Optimismus hat sauben, es werde besser werden.

00:03:06: Man muss ja nur mal wieder Kondorsee lesen oder Hegel

00:03:08: usw.,

00:03:09: oder die französischen Revolutionäre.

00:03:11: Also diese Fortschrittsorientierung ist wirklich außergewöhnlich.

00:03:14: Könnte auch sagen ungeheuer naiv in einer Weise?

00:03:17: Wie kommt man auf diese Idee?

00:03:19: ist ja eigentlich ungewöhnlich.

00:03:21: Warum soll das denn überhaupt morgen besser sein als heute?

00:03:25: Aber dieser Glaube, wie man ja auch sagt, versetzt ja auch Berge.

00:03:28: Das heißt der Fortschritt-Glabe ist ja auch etwas was die Gesellschaften antreibt und was dann ja teilweise wie eine Self-fulfilling Prophecy auch gewirkt hat.

00:03:35: also wenn man eben davon ausgeht dass es besser wird, dann arbeitet man auch daran dass es bester werden kann und manchmal ist es dann ja auch so.

00:03:43: Diese Fortschutzorientierung an sich hat einen blinden Fleck und zwar hat sie den blinden fleck nicht umgehen können.

00:03:51: Und das ist noch mal was anderes als zu sagen, wir brauchen jetzt eine neue Fortschrittserzählung, sondern wir brauchen auch, das finde ich fast noch anspruchsvoller, auch einen besseren Umgang mit Verlust-Erfahrungen.

00:04:02: Denn die moderne Forschung und hier bedeutet dass Verlusterfahrung, die es ja immer gegeben hat in allen Gesellschaften, dass sie eigentlich überhaupt nicht in dieses moderne Skript hineinpassen.

00:04:12: Katastrophenfälle zum Beispiel oder eben ein ganz anderer Fall also in Europa erleben wir einem Zusammenbruch der Sicherheit die wir in den letzten Jahrzehnten hatten.

00:04:20: Das ist natürlich ein Verlust, das ist tragisch.

00:04:23: Aber wie gehen wir damit um?

00:04:25: Wir werden ja mit bestimmten Verlüsten einfach konfrontiert und auch jetzt zum Beispiel was der Klimawandel angeht, dass es eben auch eine Unverfügbarkeit, einen Verluste da ist, mit dem wir umgehen müssen.

00:04:36: aber da eine klügere Umgangsweise mit Verluster zu finden würde ich sagen auf einer Metarebene wäre selber ein Fortschritt.

00:04:45: Das war natürlich die Forschungsorientierung gar nicht gemeint.

00:04:50: Es wäre aber selber ein Lernprozess, also mit Verlusten sowohl individuell als auch kollektiv klüger

00:04:55: umzugehen.".

00:04:56: Fortschritt also fort schreiten auf etwas hin zu bewegen.

00:05:01: Dieses Hinzu ist eine ganz wichtige Energie, um zu mobilisieren.

00:05:04: Das kennen wir auch aus der Transformationsforschung und deshalb ist es so wichtig und relevant in Krisen nicht aufzuhören darüber zu sprechen worum es eigentlich geht und was tatsächlich so Grundwerte sind die wir erhalten wollen.

00:05:17: weil das schwierige ist dass wir häufig in der Geschichte gewisse Dinge loslassen müssen, Strukturen verabschieden wie zum Beispiel ein fossiles Energiesystem wenn wir tatsächlich weitere Stabilität erhalten wollen.

00:05:30: Das heißt, zwischen diesem Loslassen und damit natürlich auch eingebauten Verlusten.

00:05:34: Und einem gleichzeitig festhalten daran, dass die Gesamtgesellschaft aber weiterhin eine gute Richtung läuft – das ist eigentlich die Kunst des politischen und des öffentlichen Diskurses.

00:05:44: Deshalb ist es heute ja so wahnsinnig wichtig, eine Balance zu finden zwischen den Themen, die Menschen bedrücken?

00:05:50: also wovor sie wirklich Sorge haben, nicht zu ignorieren und sagen wird schon alles.

00:05:54: Und gleichzeitig aber sich nicht in die Falle ziehen zu lassen immer mehr und mehr zu erzählen dass es noch schlechter sei als es vielleicht de facto ist und vor allem was ja oft mittler verbunden wird.

00:06:05: du hättest das eigentlich besser verdient.

00:06:07: damit kommt ja noch ein anderes Element drauf was so'n Ohnmachtsgefühle von jemand anders gönnt es dir nicht mitbringt.

00:06:14: Und da ist natürlich die Einladung, wie kommunizieren wir anders und wie kommunozieren wir so dass klar wird es geht darum durch die Veränderungen eben eine Gesellschaft wieder fortschrittlich zu halten.

00:06:26: Also die besten Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu finden ohne so zu tun als wäre diese Veränderungsnotwendigkeit nicht gegeben.

00:06:34: Und daher eben die Einladung bloß nicht, die populistischen Themen zu kopieren.

00:06:38: Vor allem den Stil nicht zu kopiern und die Tonalität – und nicht Menschen anzubröhlen dafür dass es ihnen nicht gut geht sondern ihnen zu zeigen wo denn eigentlich schon Lösungen für das Neue in der Welt sind wie das funktioniert hat von wo man lernen kann und dann eben auch anders in der Gesellschaft darüber sprechen wer tatsächlich Teil des Fortschritts ist und warum für viele andere dort genauso ein Platz vorgesehen ist.

00:07:09: Als Zweites haben wir das Thema Umgangsformen gewählt, denn wie wir miteinander umgehen hat natürlich ganz viel Einfluss darauf ob Vertrauen entsteht.

00:07:17: Ob wir uns gesehen fühlen oder ob tatsächlich die Form so weit entgleist dass wir mehr oder weniger aufeinander los gehen.

00:07:25: Eingeladen haben wir uns für das Thema.

00:07:26: Ingrid Brotnik Sie guckt sich besonders das Zusammenspiel zwischen Digitalisierung, Social Media und dem Verändern unserer Umgangshormen

00:07:35: an.

00:07:36: Diese umgangsformen Thematik beschäftigt mich sehr, weil die Gefahr ist dass wir hier wirklich andere Umgangs- formen eigentlich aufgedruckt bekommen.

00:07:45: Die dadurch bestimmt werden was ist ökonomisch gut für die Plattform?

00:07:49: Nicht das es gesellschaftlich gut oder individuell sinnvoll sondern welche Art von Diskurs hat am Ende eine bessere Bottomline für das Unternehmen?

00:07:58: und das prägt dann, wie Leute glauben was Normalität ist.

00:08:01: Es gibt auch eine Auswertung von Molly Crockett einer Psychologin und Kollegen.

00:08:05: die haben sich das auf Twitter damals noch angeschaut und haben gesehen zum Beispiel Wenn Leute eher extremeren Accounts folgen, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit dass sie moralisch Empörter posten.

00:08:18: Also das ein Norm-Learning stattfindet.

00:08:20: Dass ich sehe so schreiben die anderen zu schreibe auch Ich oder das andere nennt man Reinforcement Learning.

00:08:27: wenn ich moralische Empörte poste viele Likes bekomme gutes Feedback steig die Wahrscheinigkeit dass sich am nächsten Tag wieder so poste.

00:08:34: also die Gefahr ist dass hier Leute neue Umgangsformen lernen.

00:08:39: Für mich ist das ganz spannend, wenn wir uns überlegen hier geht es ganz zivil zu oder civile Umgangsformen.

00:08:45: Da schwingt ja eigentlich mit dass wir den Eindruck haben's ist ganz gut temperiert.

00:08:49: Es ist so dass man vernünftig miteinander umgeht, dass man lösungsorientiert ist und vor allem eben die anderen Personen auch Personen sein lässt Wenn also unter westlicher Zivilisation ein totaler abgesangen auf vernünftige Umgangsmorm verkauft wird.

00:09:03: Jetzt müssen wir uns erstens fragen, hat das noch mit unserer Idee von zivilen Umgangsform zu tun?

00:09:09: Und zu welchem Ziel und Zweck kann es eingesetzt werden wenn eben Misstrauen, Attacke und sehr negative Botschaften tatsächlich unsere Wahrnehmung der Welt zunehmend prägen.

00:09:19: Deshalb ist es so wichtig heute nicht zu unterschätzen welche Rolle die großen Tech-Konzerne in den USA inzwischen bei der Regierungsführung spielen und wie stark ihre Rolle ist, dabei den Diskurs auch in Europa zu beeinflussen.

00:09:33: Im Prinzip haben sie ja die kommunikative öffentliche Infrastruktur in ihrer Hand.

00:09:38: Ihre Algorithmen, ihre Plattformen bestimmen mit ohne dabei besonders Transparenz zu sein.

00:09:44: wer wird angezeigt was wird angezeigt und wem wird etwas angezeigt?

00:09:48: zunehmend bemerken auch einige Akteure und Akteurinnen die kritischen Content-Posten dass sie runter geregelt werden.

00:09:54: In dem Sinne ist es auch die Frage, wie sich eine Zivilisation – wie zum Beispiel die Europäische Union – gegen so eine Übernahme in privater Hand verwehren kann.

00:10:11: Hallo ich bin Paul, Gründer und Initiator von Lemonade & Charity!

00:10:15: Angefangen hat unser Projekt vor über siebzehn Jahren mit einer Limmo aus frisch gepressten Limetten UND der Überzeugung dass Wirtschaft auch fair und anders funktionieren kann.

00:10:24: Aus seiner simplen Idee in der WG-Küche ist heute ne Bewegung geworden.

00:10:29: Es gibt uns in über dreißig Ländern und es kam bereits mehr als dreizehn Millionen Euro für den gemeinnützigen Lemonade & Charity EV, und damit Sozialprojekte zusammen.

00:10:39: Jetzt gehen wir den nächsten Schritt – und ihr könnt dabei sein!

00:10:42: Wir öffnen Lemonade vor unsere Community.

00:10:45: Als Fairholderin gestaltet ihr die Zukunft mit Für eine Wirtschaft, die allen dient.

00:10:50: Werde jetzt Teilhaberin von Lemonade&Charity.

00:10:53: Die Infos findest du auf unserer Website lemon-aid.de.

00:10:58: In der nächsten Folge sind wir dann noch etwas tiefer gegangen.

00:11:01: Denn drunter unter den Umgangsformen liegen ja Werte und eine werte Gemeinschaft ist ja häufig etwas, was noch Normen-, umgangs- formen oder dann eben Gesetzen vorgeschaltet ist.

00:11:10: Daher ist es auch wichtig zu fragen wie Wertewandel stattfindet wo er herkommt und wo der gemeinsame Raum dessen ist das vielleicht so ne westliche Zivilisation ausmacht.

00:11:19: Eingeladen haben wir dafür Andreas Pütmann, der einmal Rechtswissenschaftler und Politik-Wissenschaftler ist.

00:11:24: Dann aber auch ganz explizit sich mit Religionen, Werten und vor allem auch Konservativen wie Christsozialen unterschiedlichen Prägungen auseinandergesetzt hat um zu gucken, wie die sich verändern zusammenfinden und an welchen Zeitpunkten das jeweils relevant geworden

00:11:38: ist.

00:11:39: Werte sind zunächst mal das was wir als erstrebenswert betrachten individuell oder auch als Gemeinschaft und betreffen eine Ethik der Ziele.

00:11:50: Dazu gehören Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Wohlstand ... Und dieser Ethik des Ziele steht gegenüber die Ethik von Mittel.

00:12:02: Das sind Normen Tugenden und Institutionen, mit denen diese Werte sozusagen operationalisiert werden, verwirklicht werden können.

00:12:12: Solche Normen sind also geschriebene und ungeschriebene Regeln.

00:12:16: Also dass man in Rücksicht auf andere nehmen soll.

00:12:19: Dass man zuverlässig ist das Absprachen eingehalten wird

00:12:22: etc.,

00:12:23: etc.

00:12:24: Die Normen sozusagen sind vielleicht sogar das Kernstück aber die Normen müssen natürlich auch von realen Menschen vorgelebt werden und realisiert werden.

00:12:35: Und deswegen kommen wir auf diesen schön verstaubten Begriff der Tugenden, ein sehr kluger Mann der Verfassungsrichter Ernst Wolfgang Böckenförder hat ja mal gesagt, der freiheitliche Verfassungsstart lebt von Voraussetzungen die er selbst nicht garantieren kann.

00:12:50: das ist das große Wagnis dass er um der Freiheit Willen eingegangen ist und deswegen braucht es ein bürgerliches Ethos weil sozusagen der Staat also dieses Ethos nicht selbst erzeugen kann.

00:13:03: Nicht nach dem Verfassungskonvent von Philadelphia wurde Benjamin Franklin von einer alten Dame gefragt, wurde kolportiert.

00:13:13: Was haben wir denn jetzt bekommen?

00:13:15: Eine Monarchie oder eine Republik?

00:13:17: und Franklin antwortete eine Republik wenn sie sie halten können.

00:13:23: was ja hier so deutlich wird ist das Zusammenspiel zwischen Akteuren und Akteurinnen, die Dinge in die Welt bringen.

00:13:30: Und auch Entscheidungen treffen wie sie sich alltäglich verhalten wollen und den Regeln, die sich Gesellschaften gegeben haben.

00:13:36: Dieses Zusammenspiel ist besonders in freiheitlichen Gesellschaften immer ergebnisoffen was ja in diesem Böckernförde-Dictum so schön rüber kommt dass der demokratische Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht schaffen kann.

00:13:49: Und da können wir natürlich nochmal einen Blick in die USA werfen, um zu sehen wie unfassbar diese Idee mit Füßen getreten wird und ob dann unbedingt von dort uns Zivilisation angedient werden sollte.

00:13:59: Also ein Präsident der ja das allerletzte macht außer sich in irgendeiner Form angemessen und regelkonformt zu verhalten.

00:14:06: damit ist natürlich der komplette Kontakt gebrochen dass eine gewisse Form eine anständige Art und Weise miteinander umzugehen dem Regel setzend vorausgehen muss und natürlich auch die Idee, dass sie die mächtigsten Positionen haben das mal vorleben dürften.

00:14:21: Im Umkehrschluss heißt also, dass wir alle in unserer Funktion als Bürgerinnen-Bürger im Unternehmen, im Alltag aber natürlich auch in den Parteien genau andersrum verhalten.

00:14:30: Dass wir sagen, nee, wir nehmen das mal ernst mit diesem Wertekompass, mit diesen Umgangsformen.

00:14:34: Deshalb auch obacht bei all denenjenigen, die euch dann vorwerfen, jetzt kommen wir hier nicht so moralisierend um die Ecke!

00:14:41: Die Moral von der Geschichte ohne Werte geht es nicht.

00:14:50: Als nächstes haben wir uns das Thema Gesellschaft angeschaut, um dieses Zusammenspiel zwischen Regeln, Werte, Normen noch mal zu reflektieren und zwar aus der ethischen Perspektive einer Person die im Ethikrat lange Vorsitzende gewesen ist und in der Medizin auch diese Perspektiven hochhält, Alena Büchs.

00:15:09: Ich

00:15:10: bin jeden Tag glücklich und dankbar, dass ich in Deutschland in der EU lebe.

00:15:15: Weil ich gucke was in den USA passiert die reißen die ganzen Einschränkungen weg Der Umweltbehörde da zum Beispiel was Luftverschmutzung Wasserverschmutzung Einfach alles an Schutz für unsere unmittelbare Lebenswelt Dann natürlich ganze infrogramme werden abgewickelt aber auch so öffentliche Gesundheit also wirklich so die absoluten Basics die uns Hundertfünfzig Jahre die doppelte Lebensspanne gegeben haben.

00:15:44: Vor hundertfünfzig

00:15:46: Jahren sind wir im Schnitt irgendwie vier, dreißig, fünf Jahre alt geworden und jetzt wären wir über achtzig.

00:15:50: Aber wenn du das saubere Wasser wegnimmst und die saubre Luft und die sichere

00:15:54: Ernährung

00:15:55: und all diesen Aufwand, den wir betreiben um das zu sichern, dem man nicht so richtig sieht ... Wenn du es als weg reißt dann denk ich mir mal Gott sei Dank lebe ich in der EU, wo wir das nicht mehr so eben wegreißen hoffe ich.

00:16:07: Und dann gucke ich deine Seite.

00:16:08: und okay aber das betrifft ja alle Luft kannst du schwer einschränken.

00:16:14: Auch Wasser, echt schwierig!

00:16:16: So ein Scheißkeim, wenn da mal irgendwo drin ist ...

00:16:18: Ah!

00:16:20: Wo wollen die den?

00:16:22: Irgendwer verdient damit sehr viel Geld.

00:16:24: Super für Industrie, kannst voll rein.

00:16:26: Kannst wieder alles vergiften und so großartig.

00:16:30: Das sind ja auch Leute selber betroffen, Kinder.

00:16:34: Und Familien und Freunde, was ist denn mit denen?

00:16:37: Dann kann die Logik ja nur sein.

00:16:39: Ich isolier mich davor.

00:16:41: Mit sehr viel Geld.

00:16:42: Ich lebe in irgendwelchen Enklaven ... Wo ich vielleicht meine eigene Wasserversorgung hab.

00:16:49: Da hinter muss so eine Idee stehen, ich entzieh mich dem vollständig.

00:16:54: Der Gipfel davon ist, ich geh auf den Mars!

00:16:57: Wir können also hier sehr schön beobachten, dass zivilisatorischer Fortschritt eigentlich eine gesellschaftliche Kategorie war.

00:17:05: Und wenn wir uns jetzt überlegen wer denn gerade die Regelveränderung vorantreibt sind das natürlich genau denjenigen denen der Rest der Gesellschaft ziemlich egal geworden ist dieses sich absetzen sich insinkaufen oder auf Yachten gehen technologische Überwachungsinfrastruktur aufbauen, um die anderen rauszuhalten und den Zugang für einige wenige zu sichern.

00:17:26: Dann zu den besten Technologien, zu den gesundheitlichen Entwicklungen, die wir uns noch nie haben erträumt lassen – die Unsterblichkeit steht kurz vor der Tür!

00:17:34: Aber ist das noch westliche Zivilisation?

00:17:37: Wo sind da die zivile Umgangsformen eigentlich hin und vor allem die Gesellschaft?

00:17:41: Deshalb auch da wieder die Frage, wie wir diesen Narrativ etwas entgegensetzen.

00:17:45: In dem klar wird, ihr braucht keine Sorge haben.

00:17:48: in Europa bleibt die Antwort das tatsächlich eine Gesellschaft im Fokus steht und nicht nur die spinnerten Ideen von einigen wenigen besonders reichen, die dann auch noch sagen Die Erde machen wir auf den Weg zum Mars vielleicht mindestens untertan oder einfach auch kaputt.

00:18:03: Daher mutig eben gegenüberstellen Gesellschaft ist die Voraussetzung für Zivilisation, weil es ist im Begriff schon angelegt.

00:18:18: Als Letztes haben wir uns dann die Gesellschaftsformen angeguckt, die sich westlich nennen.

00:18:23: Das ist ja was die USA vorausstehen – die westliche Zivilization und sie müsste jetzt ihre Vorreiterschaft eben neu etablieren.

00:18:31: Wo kommt denn das eigentlich her?

00:18:33: Und was macht diesen Westen

00:18:34: aus?".

00:18:35: Dazu eingeladen haben wir Sebastian Konrad.

00:18:38: Er ist Historiker und hat die gesamte Geschichte der Globalisierung aufgeschrieben, unter anderem spielt darin eine Rolle wie das Selbstverständnis des Westens sich über die Zeit verändert hat.

00:18:51: Historisch kann man sagen, dass der Begriff Westen im Grunde erst seit dem späten Jahrhundert Verwendung findet.

00:19:01: Es gibt natürlich so Versuche, den Konflikt zwischen Ost und West in die Antike zurückzuverlagern oder so.

00:19:08: Aber eigentlich erst im Laufe des neuen Jahrhunderts und zwar erst in dem Moment – das bezieht sich auf das Atlantische – erst in diesem Moment, indem man nicht Europa sagte sondern Europa und die USA meinte, erst in diesen Moment wird der Westen wirklich zu einer kategoriezunerstehenden Kategorie.

00:19:24: also Das ist eigentlich erst in dem Moment möglich, indem die USA auch tatsächlich ein weltpolitischer Faktor werden.

00:19:31: Also das ist ja, sagen wir mal um eighteenhundert noch längst nicht der Fall.

00:19:36: Insofern ist der Westen so wie er jetzt heute verwendet wird gar nicht mal so alt.

00:19:41: also man kann vielleicht im Mitte des neunzehnten Jahrhundert anfangen mit den Debatten in Russland über die Verwestliche und die Russophilen.

00:19:51: aber Aber eigentlich ist der Begriff, sagen wir mal, unterhört auch hundertfünfzig Jahre alt.

00:19:58: Ja würde ich sagen als Phänomen und Abendland ist schon dann eine ganz spezifische Aufladung nämlich die Aufladungen durch Religion.

00:20:05: Und wenn wir so durch die Geschichte durchgehen sehen wird dass dieser Begriff Westen sich eigentlich immer verändert hat.

00:20:11: heute also Im Jahrhundert markt es für viele noch das abendland gewesen sein.

00:20:17: da geht es um religion Christentum versus andere.

00:20:22: Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als es darum ging den Imperilismus zu rechtfertigen.

00:20:28: Die Kolonisierung der Welt war der zentrale Begriff eher Zivilisation.

00:20:33: Der Westen steht für Zivilization und die rückständigen zurückgebliebenen, kolonisierten Völker.

00:20:45: Die müssen erst auf diesen Stand der Zivilisation gebracht

00:20:47: werden.".

00:20:48: Das

00:20:48: war so die White-Man's-Bird'n.

00:20:50: Also so... White

00:20:51: Man's Bird'n gehört dazu ganz genau!

00:20:53: Aber wenn ich daran denke an die Zeit in der ich in der Schule war da war Westen einfach nicht Kommunismus, ne?

00:20:59: Der Zeit des Kalten Krieges.

00:21:00: also da hatte sich das von Religion über Zivilization längst ganz woanders hin.

00:21:04: Da war ganz klar Westen steht für nicht kommunistisch und heute verbindet man häufig so was wie dem oder man suggeriert der westen stehe für demokratie das nicht.

00:21:15: kommunismus ist längst verschwunden das spielt keine roll.

00:21:18: also wir sehen wie dieser begriff im gunde eigentlich gar nicht so richtig festzunageln is geografisch ja ohne hin nicht aber auch eben konzeptionell wenig sondern sich verändert verschiebt.

00:21:30: und ja.

00:21:31: also wenn ich das zuspitzen würde würde ich sagen so eine definition die Ist eigentlich ein hilfloser Versuch?

00:21:39: Eigentlich können wir gar nicht sagen, was der Westen ist.

00:21:41: Wir müssten im Grunde eher fragen ... Was machen die Leute, wenn sie Westen sagen?

00:21:47: Also, was wollen Sie damit erreichen?

00:21:50: Was tun Sie damit sozusagen?

00:21:52: Deshalb ist es ja heute so relevant zu gucken wie verhält sich denn ein bestimmter Akteur?

00:21:57: Wann wird von wem Der Westen als Konzept in Stellung gebracht?

00:22:02: von einer USA, die genau diese multilateral Ordnung ja gerade aufkündigen und sich aus allen Verträgen rausziehen, die die Kooperation über Grenzen hinweg organisieren sollte.

00:22:12: Und zwar kooperativ anstatt dass alle reihum erpresst werden durch eine Zusammenkunft von militärischer und ökonomischer Macht.

00:22:20: daher auch der Gedanke universeller Werte wie wir zum Beispiel in der Menschenrechtscharta formuliert haben.

00:22:27: Wo sind denn eigentlich Gemeinsamkeiten zwischen Menschen, die sich einmischen in Bevölkerungen ganz anderen Teilen der Welt und denen, die bei uns für Demokratie sich einsetzen?

00:22:36: Für Mitbestimmung.

00:22:37: Für Freiheit.

00:22:38: Für Gleichwertigkeit vor dem Recht.

00:22:40: Ein wichtiger Bestandteil, der für mich auch den Westen ein Stück weit ausgemacht hat – wenn man zurückdenkt ist Aufklärung.

00:22:46: aber bitte in dem Sinne dass ich immer wieder hingucken darf, immer wieder weiter lernen darf, sagen darf das funktioniert noch nicht Und so ist ja das Zusammenwirken deutlich vereinfacht.

00:22:57: Wenn wir nicht ständig gegeneinander antreten und sagen, bei uns ist alles super, aber wir sind besser als ihr alle anderen, sondern bei uns funktioniert das und jenes schon – bei euch scheint das besser zu funktionieren!

00:23:05: Lass uns mal zusammen tun und die nächste Lösung in die Welt

00:23:09: bringen.".

00:23:09: Das war der Gedanke der multilateralen Ordnung.

00:23:12: Das war Der Gedankel Kooperation als Ausweg aus Krisen zu nehmen.

00:23:16: Zu stark, zu eng Gruppen voneinander abzugrenzen?

00:23:20: Das ist der Weg der Eskalation.

00:23:22: Da ist nicht Platz für alle, sondern da ist im Zweifel Platz für wenige.

00:23:25: Und wir hören ja auch ständig dass dieses Rennen eröffnet ist wer eigentlich am Ende oben steht um den anderen vorzugeben was sie auf diesem Planeten noch machen dürfen.

00:23:36: Ich glaube das wir gerade in Deutschland eine gute Chance haben durch unsere Erinnerungskultur zu verstehen Dass diese Erzählung und diese seltsame Nichtbereitwilligkeit andere überhaupt noch zu sehen sicherlich nicht In einer zivilisatorischen Umgangsform mündet Sondern der autokratische Auseinandersetzung.

00:23:54: Und deshalb den Mut zu behalten und zu sagen, ja liebe USA wenn ihr euch gerade verabschieden möchtet aus dem was wir als westliche Zivilisation als Errungenschaft der letzten dreißigvierzig Jahre für uns als Wertekanon auch in die Europäische Union eingebaut haben ist das in Ordnung.

00:24:09: aber ihr nehmt doch uns nicht die Möglichkeit unsere eigene Zivilisationsform weiterzutragen um mit denenjenigen in der Welt lebendig zu halten die Lust darauf haben Nicht autokratisch, sondern demokratisch weiterzumachen.

00:24:29: So,

00:24:30: vielen herzlichen Dank fürs Zuhören!

00:24:33: Neudenken ist ein Projekt von Mission Wertvoll – ein Science Society-Netzwerk das sich den Chancen und Wegen in eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat.

00:24:41: Wie wir dahin kommen?

00:24:42: Das werden wir nur gemeinsam herausfinden und deshalb freuen wir uns über eure Aufmerksamkeit und euer Feedback.

00:24:48: Besonders dankbar sind wir alle denjenigen die durch einen finanziellen Beitrag unsere Arbeit hier möglich machen.

00:24:54: Wenn auch du Lust hast, neue Denken zu fördern und aktiv mitzugestalten dann schau gerne einmal in die Show Notes wie das geht.

00:25:01: Hoffentlich bis zum nächsten Mal!

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